Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!

In diesem Blogartikel geht es mal um was persönliches. Ich schildere was mein Körper vor zwei Jahren sich „ausgedacht“ hat und warum ich jetzt begeisterter Rollstuhlfechter bin.

Einfach so plötzlich Schmerzen

Im Alter von 42 Jahren hatte ich von jetzt auf nachher Schmerzen in der linken Schulter. Innerhalb von wenigen Stunden waren sie so stark, dass ich den Arm nur schwer bewegen konnte. Am Anfang hat Magnesiumpulver geholfen. Aber nicht lange. Ein Termin beim Orthopäde war notwendig. Diagnose: Muskelverspannunngen altersbedingt! Der Orthopäde meinte: „Herr Lemcke, bei Ihrer Behinderung ist das in dem alter nicht ungewöhnlich!“. Na Super und jetzt?

Krankengymnastik hilft, aber nicht so ganz !

Der Orthopäde hat mich ins Reha-Zentrum Oberwässere geschickt. Die spezielle Drucktechnik der Therapeutin hat sofort geholfen! Aber wenn die Schmerzen am Wochenende kamen, wußte ich nicht was ich dagegen tun sollte. Es musste eine andere Lösung her!

„Mein Sohn Du musst zum Behindertensport!“

Mein Vater hatte die zündete Idee: Behindertensport. Bei einem Besuch bei Martin Sowa wurden mir die Behindertensportarten des TSG Reutlingen vorgestellt. Ich habe überlegt bei welcher Sportart ich die wenigsten Einschränkungen durch meine Behinderung habe und meine Schulter wieder fit wird. Meine Wahl fiel auf Rollstuhlfechten!

Ein strahlendes Trainergesicht motiviert!

Ich nahm per Mail mit Fechttrainer Philipp Pleier Kontakt auf. Als ich dann in der Storlachhalle kam, erfuhr ich, dass ich nicht von Philipp trainiert werde sondern von einer Beate Hummel. Es war einfach Sympathie auf den ersten Blick! Beate ist ein sehr positiver, lieber Mensch, aber auch eine konsequente Fechttrainerin! Beeindruckt hat mich Ihre große Bereitschaft sich in die Welt der Behinderten einzufühlen.
Beates Aufwärmübungen waren ein wichtiger Schritt meine Schulterschmerzen ein für alle mal los zu werden!

Inklusionssport – Als Behinderter nicht in der Ecke sondern mitten drin

Zur selben Zeit wie die Menschen mit Behinderungen trainieren, trainieren auch die Fechter ohne Behinderung. Regelmäßig werden Partnerübungen gemacht: ein Fechter ohne Behinderung mit einem Fechter mit Behinderung. Das geht wunderbar und motiviert!

Wie funktioniert Rollstuhlfechten?

Meine Behinderung heißt Spastik. Ich bin gehbehindert und meine rechte Hand ist stark behindert. Also ich bin kein Rollstuhlfahrer. Zum Fechten sitze ich aber im Rollstuhl. Ich trage eine Maske, eine Fechtjacke und einen Fechthandschuh. Meine Waffe ist ein Degen.

Die Rollstühle werden auf einem Gestell fixiert. Also dem Degen des Gegners ausweichen durch wegfahren geht nicht. Entweder dem gegnerischen Degen ausweichen durch bewegen des Oberkörpers oder abwehren mit dem eigenen Degen.

Die Trefferfläche ist oberhalb der Hüfte.

Weil es sehr unterschiedliche Behinderungsarten gibt, wird in Kategorien eingeteilt: A, B und C.

Eine Paralympics-Rollstuhlfechterin kommt nach Reutlingen

Plötzlich war Sie da, eine neue Rollstuhlfechterin. Sie ist sehr zurückhaltend, bescheiden, lieb und eher unscheinbar. Aber gib Ihr einen Degen in die Hand und Sie wird zur „Fechtmaschine“! 2012 gewann Sie Silber bei den Paralympics in London. 2013 holte Sie Bronze bei der WM mit dem Florett. Sie ist amtierende Europameisterin im Degen in der Kategorie B! Simone Briese-Baetke  .

Simone brachte einen gigantischen Motivationsschub für mich! Plötzlich war Schluss mit nur die Schulterschmerzen los werden. Plötzlich war der Gedanke „Mal schauen wie weit ich komme im Rollstuhlfechten!“. Ich bin ehrgeizig geworden.

Keine Schmerzen, dafür Muskeln, Ausdauer und mehr Energie im Alltag!

Zum letzten Weihnachten bekam ich ein Theraband geschenkt. Mit ihm trainiere ich 3-4mal in der Woche! Es Dient ebenso zum Muskelaufbau. Meine Schulterschmerzen sind komplett weg, ich bin nicht mehr so schnell erschöpft, und habe mehr Energie für den Alltag.

Mein Körper erholt sich schneller, wenn ich mal erschöpft bin oder doch mal leichte Rückenschmerzen habe.

Der Blick in den Spiegel zaubert oft ein Schmunzeln in mein Gesicht. Meine linken Oberarmmuskeln sind sehr ungewohnt, aber auch beeindruckend. Das sind die Auswirkungen von Beates Aufwärmübungen und regelmäßige, wöchentliche Besuche des Rollstuhlfechttrainings!

Es lohnt sich, auch als Mensch mit Behinderung Sport zu machen. Es macht riesig viel Spass und verbessert den körperlichen allgemeinzustand ganz erheblich!

Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!

Autor: Markus Lemcke

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