Marlem-Software – warum alles begann und warum sich 2016 was ändert

Im Unternehmen geht es oft um Umsätze, Statistiken und noch mehr Umsätze. Ich hatte einen anderen Grund warum ich Marlem-Software gegründet habe. Weil sich im Jahr 2016 etwas ändern wird und ich möchte dass meine Blogleser verstehen warum das so ist, werde ich hier die wichtigsten Stationen meines Lebens wieder geben. Weil ich ein großer Musik-Fan bin und es viele Lieder gibt die sehr gut zu einer bestimmten Lebensphase passen, gibt es zu jeder Lebensphase ein Youtube-Musik-Video! Es erwartet sie also, lieber Blogleser, eine Art Musikalischer Lebenslauf!

Geburt und Schule

Geboren bin ich in St. Gallen in der Schweiz. Ich hatte Sauerstoffmangel bei der Geburt. Deswegen bin ich körperbehindert. Meine Behinderung heißt Spastik  . Weil die Ärzte Schuld daran gewesen sind, habe diese es sehr „verschlüsselt“ meinen Eltern mitgeteilt, dass ich eine Behinderung habe.
Mit 3,5 Jahren wurde ich in Tübingen operiert an den Beinen. Ohne diese Operation hätte ich nie laufen können. Ich ging in den Kindergarten für Behinderte in Ohmenhausen und machte meinen Hauptschulabschluss in der Behindertenschule in Mössingen. Danach machte ich die Mittlere Reife in der kaufmännischen Wirtschaftsschule in Tübingen. Ich war also zum ersten mal unter lauter Menschen OHNE Behinderung.
Mit 16 musste ich nochmal an den Beinen operiert werden, sonst wäre ich im Rollstuhl gelandet. Ich habe ein Jahr gebraucht bis ich wieder ohne mich überall festzuhalten laufen konnte. An dieser Stelle passt ganz gut das Lied „Walk on“ übersetzt „Geh weiter“ von meiner Lieblingsgruppe U2

Glaube trägt, Glaube motiviert, Glaube verletzt, Glaube grenzt aus, Glaube heilt

Schon als Kind haben meine Eltern mit mir gebetet. Für mich gab es nie einen Zweifel dass es Gott gibt. Ich bin auch nie auf die Idee gekommen Gott für die „Ungerechtigkeiten“ verantwortlich zu machen, die mir wegen meiner Körperbehinderung widerfahren sind. Für mich war klar, dass die Menschen die mich verletzen wegen meiner Behinderung nicht im Sinne von Gott handeln. Das war nicht immer einfach so zu denken, weil gerade in der Kindheit sind sehr viel Verletzungen und Ausgrenzungen in Christlichen Kreisen passiert wegen meiner Körperbehinderung.
Dennoch ist für mich der Glaube meine größte Kraftquelle!
Ich Glaube daran dass mein Leben Sinn macht.
Ich Glaube daran dass ich als Mensch auf der Welt was verändern kann.
Ich Glaube daran dass ich als Unternehmer auf der Welt was verändern kann.
40! Psalm 40

Schachmatt den Menschen ohne Behinderungen

Aufgrund meiner Gehbehinderung und meiner stark eingeschränkten rechten Hand, fühlte ich mich als Kind oft als Verlierer. Ein Junge der nicht Fussballspielen und auf Bäume klettern kann ist ein echter Superloser (=Loser ist englisch und heißt Verlierer).
Da hatte mein Vater die rettende Idee: Er brachte mir das Schach spielen bei! Die Behindertenschule in Mössingen gründete eine Schach-AG und ich ging in den Schachverein SC Steinlach wo ich sehr gute Lehrmeister hatte.
Mit 16 Jahren wurde ich im Blitzschach Kreismeister der B-Jugend. Eigentlich vom Titel her nichts besonderes. Es folgten Schacherfolge wie „Vereinsmeister im Schachverein Hechingen“, „Bestes Einzelergebnis in der Schachlandesliga Neckar-Fils“ und einiges mehr! Damals war dieser Kreismeister aber was sehr besonderes. Ich war der einzige Jugendliche mit Behinderung und war besser als alle Schachjugendlichen ohne Behinderung. Das erste mal in meinem Leben das ich besser war als Menschen ohne Behinderung.
Das Lied vom nachfolgenden Video ist aus dem Musical „Chess“. Ja, es gibt ein Musical nur über Schach!

Beamte haben eine „gesicherte“ Stellung

Nach dem ich die Mittlere Reife geschafft habe, meinten meine Eltern ich soll Beamter werden, weil Beamte nicht gekündigt werden können. Damals hat mich das „gekündigt“ werden gar nicht interessiert. Heute mit 45 Jahren, weiß ich warum das meinen Eltern eine Sorge war. Ich wollte schon damals Informatiker werden, aber ohne Abitur ging zu dem Zeitpunkt diesbezüglich gar nichts. Ich machte also eine Beamtenausbildung im Regierungspräsidium in Tübingen zum Beamten im mittleren nichttechnischen Dienst. Leider machte die Ausbildung gar keinen Spass und die Berufsschule in Reutlingen (war die Theodor-Heuss-Schule) war der Horror! Ich hatte sehr wenig Schulkameraden die mit mir Kontakt haben wollten und irgendwie erschien mir alles extrem oberflächlich. Im zweiten Anlauf, schaffte ich die Staatsprüfung und war Beamter. Das Regierungspräsidium übernahm mich nicht, weil ich die Staatsprüfung erst im zweiten Anlauf schaffte. Traurig darüber war ich gar nicht, aber ich brauchte jetzt einen Arbeitsplatz …
Mein damaliges Lebensgefühl wurde im U2-Album „Achtung Baby“ gut wieder gegeben. Stellvertretend hier das Lied „The Fly“.

Vom Verwaltungsangestellten zum Informatiker

Weil ich als Beamter keinen Arbeitsplatz gefunden habe, fing ich bei „pro labore“ http://www.prolabore.de in Reutlingen-Betzingen als Verwaltungsangestellter an.
Weil es für pro labore kein geeignetes Bau-Abrechnungsprogramm gab, habe ich mit der Programmiersprache Delphi ein Bau-Abrechnungsprogramm entwickelt, welches noch immer im Einsatz ist.
Da mir das Programmieren mehr Spaß machte, als Verwaltungsarbeit bewarb ich mich als Softwareentwickler und bekam eine Stelle in einem Softwareunternehmen in Tübingen.
Plötzlich war ich Informatiker.
Ja, die Zeiten ändern sich. The Times They Are A Changin‘

Traumberuf erreicht: Informatiker

Ich bin seit dem Informatiker obwohl ich kein Abitur und kein Studium habe. Nach diesem Arbeitsplatz hatte ich noch einen auf der schwäbischen Alb als Softwareentwickler und einen in Leonberg als Suchmaschinenoptimierer. Leider gingen die Arbeitsverhältnisse nur so lange, wie die Arbeitgeber Zuschüsse vom Staat bekamen. Alle drei Kündigungen hatten den selben Grund: Meine Arbeitsgeschwindigkeit sei zu langsam.
Das Lied, dass zu diesem Abschnitt passt heißt „Dreamer“ von Ozzy Osbourne:

Das Versteck-Spiel mit der Behinderung bei Bewerbungen

Bewerbungen schreiben mit Behinderung ist nicht lustig. Viele Arbeitgeber und auch Personalchefs sind der Meinung dass Menschen mit Behinderungen nicht ausreichend belastbar sind und durch den behinderungsbedingten Kündigungsschutz unkündbar sind. Beides entspricht nicht der Wahrheit. Aufgrund dieser Vorurteile sind Menschen mit Behinderungen sehr viel mit Fragen beschäftigt wie:
Schreibe ich meine Behinderung überhaupt in die Bewerbung, wenn ja an welcher Stelle und wie ausführlich. Mich hat dieses Versteckspiel immer genervt. Ich habe es nie so ganz verstanden, warum ein Großteil der Arbeitgeber so negativ über Menschen mit Behinderungen denken. Für mich fühlte es sich immer so an, so bald Arbeitgeber lesen dass ich eine Behinderung habe, wenden sie sich ab!
Abwenden, Abkehren… on the turning away von Pink Floyd:

Marlem-Software – die angebliche Schwäche zur Stärke machen

Im Jahr 2008 hat ich eine Göttliche Eingebung. Durch einen Gabentest den ich in einer Kirche machte kam ich auf die Idee, ein Gewerbe anzumelden. Die Grundidee war extrem durchgeknallt! Ich biete lauter Dienstleistungen an, bei denen es ein Vorteil ist, dass ich eine Behinderung habe! Was das für Dienstleistungen sind können Sie auf meiner Unternehmenswebseite nachlesen: www.marlem-software.de .
Das Hauptziel meines Unternehmens ist die IT(=EDV) barrierefrei zu machen.
Nein, reich wird man mit so einer Idee nicht, aber ERFOLGREICH und ZUFRIEDEN 🙂

Mehr Reichweite durch Suchmaschinenoptimierung

Oben beschriebenes Unternehmenskonzept macht nur Sinn, wenn das Unternehmen überregional bekannt ist. Das war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Deswegen benötigte ich eine weitere Dienstleistung um mehr Umsätze zu bekommen und um bekannter zu werden. Suchmaschinenoptimierung bedeutet eine Webseite so zu optimieren, dass sie in der Suchmaschine auf Platz 1 ist. Wenn eine Webseite für die Suchmaschine gut zu „lesen“ ist, dann ist sie für Blinde und Sehbehinderte ebenso wahrnehmbar. Blinde und Sehbehinderte bedienen einen Computer mit dem Screenreader.  Der Screenreader kann Webseiten nur lesen, die Suchmaschine auch.
Somit werden Webseiten durch Suchmaschinenoptimierung zum Teil barrierefrei.
Die WCAG 2.0 sind Richtlinien um Webseiten barrierefrei zu machen, davon handelt das Lied.

Mehr Umsätze macht nicht automatisch glücklich!

Umsatztechnisch war die Suchmaschinenoptimierung ein voller Erfolg. Ich hatte 5 Jahre am Stück regelmäßig Kunden für Suchmaschinenoptimierung. 2 Jahre davon war ich in Sachen Suchmaschinenoptimierung Reutlingen und Suchmaschinenoptimierung Tübingen auf Platz 1. Das beobachten, wie eine Webseite durch meine Tätigkeit Stück für Stück auf Platz 1 in der Suchmaschine kommt, machte sehr viel Spass. Aber so richtig glücklich war ich nicht. Die soziale Komponente fehlte einfach völlig.
Das Lied zum Abschnitt ist „Money“ von Pink Floyd:

Haben Stotterer Zuhörer – die ersten Vorträge

In der Pubertät fing ich an zu stottern. Warum weiß niemand so genau, es war einfach so. Seit ich meine Webseite www.marlem-software.de hatte, träumte ich davon Vorträge zu halten über Barrierefreiheit in der Informatik. Aber Vorträge halten als „Stotterer“, macht das Sinn? Ich beschloss dagegen was zu tun. Ich ging zur Sprachtherapie zur Praxis für Logopädie Michael Zillmann  . Es war nicht einfach, deswegen dauerte es schon ca. 2 Jahre, aber meine Sprachtherapeutin war eine echte Meisterin in Sachen Sprachtherapie. Ganz ohne Stottern geht das Sprechen noch immer nicht, aber wenn ich Vorträge halte und sehr bewusst spreche, stottere ich fast gar nicht. Möchte jetzt hier keine Abhandlung über Stottern schreiben, aber bei mir hängt viel davon ab, dass ich innerlich ruhig bin und mich nicht „jagen“ lasse beim Sprechen.
Am 10. Dezember 2010 war es so weit, mein erster Vortrag über Barrierefreiheit in der Informatik und das gleich in der Universität Tübingen. Einfach genial!
Inzwischen ist das nichts besonderes mehr das ich Vorträge halte. Ich bin regelmäßiger Gastdozent in den Hochschulen Reutlingen, Stuttgart, Esslingen und in der Uni Tübingen.
Ich habe tatsächlich ein Lied gefunden in dem es um das Stottern geht:
Hermann Leopoldi „Stotterer-Lied“ 1930

Wer gegen den Strom schwimmt muss körperlich fit bleiben

Obwohl die Barrierefreiheit in der Informatik seit 2002 gesetzlich vorgeschrieben ist, zumindest für Träger öffentlicher Gewalt ( Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz – BGG)
§ 11 Barrierefreie Informationstechnik ist die Begeisterung noch immer nicht sehr hoch.
Es kostet sehr viel Kraft sich für solch eine Sache zu engagieren. Aus gesundheitlichen Gründen fing ich das Rollstuhlfechten an. Um als Unternehmer voll Leistungsfähig zu sein, ist körperliche Fitness sehr wichtig!
Nach 2,5 Jahren Rollstuhlfechten bin ich körperlich top fit und richtig Selbstbewusst geworden.
Fechten tun nicht nur Sportler, sondern auch Musketiere.
All for One, One for all and all for Love


the song was originally written for the Disney film „The Three Musketeers“ (Übersetzung: Dieser Song wurde für den Disney Film „die drei Musketiere geschrieben“.

Eine Art Heimkehr

Es gibt viele Menschen die Wahnsinnig viel Spaß daran haben, andere Menschen wichtige Tipps für das Leben zu geben. Als Mensch mit Behinderung bin ich ein Lieblingsopfer dieser Tippgeber. Leider haben viele Tippgeber folgende Denkweise: „Ich finde mich wahnsinnig toll und deswegen musst Du Markus, genauso werden wie ich!“. Liebe Tippgeber, egal an wenn Du als Schöpfer der Erde glaubst, wenn der Schöpfer es gewollt hätte, dass alle Menschen so sind wie Du, dann hätte er es tun können!
Als ich in die Kirche ICF Reutlingen war alles anders. Ich durfte zu Ruhe kommen. Jeden Sonntag gab es neue Menschen die mich kennen lernen wollten ohne gleich wichtige Tipps für das Leben geben zu wollen.
Das Ergebnis war, dass ich zur Ruhe gekommen bin und mir konkrete Gedanken machen konnte über mein Lebensziel das Gott sich für mich überlegt hat.
Bei dieser Überlegung ist es sehr wichtig, darüber nachzudenken, welche Fähigkeiten man hat und nicht darüber nachzudenken welche Fähigkeiten man noch gerne alle hätte. Ich habe trotz meiner Körperbehinderung viele Fähigkeiten.
Das Lied zum Abschnitt ist von U2: A sort of homecoming (=Eine Art Heimkehr)

Dieser Weg wird kein leichter sein – Ich freue mich trotzdem!

Aufgrund der Überlegungen im vorherigen Abschnitt, habe ich mich im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten, ohne Einfluss von Alkohol und Drogen dazu entschieden, dass ich ab 2016 mich mit meinem Unternehmen Marlem-Software darum kümmere, dass die Informatik barrierefrei wird.
Ich möchte in diesem letzten Abschnitt erklären, warum.
Wir sind eine Wegwerf-Gesellschaft geworden. Nein ich rede nicht von Plastik-Bechern und Tellern, sondern ich rede von Menschen!
Ja, wir schmeißen Menschen weg!
Hat jemand einen Schlaganfall gehabt, kann nicht mehr lesen, ist es nahezu unmöglich einen Ersatz zu finden.
Kann jemand durch einen Schlaganfall nicht mehr gut sprechen, ist aber geistig voll fit, wird ihm oft nicht mehr zugehört, weil soviel Zeit hat man ja nicht.
Kann jemand nicht mehr selber Einkaufen, wird die Person oft ins Heim gesteckt.
Eine Mutter möchte ihren Behinderten Sohn im Rahmen der Inklusion in eine Regelschule gehen lassen, der Sohn benötigt aber hierfür ein spezielles Rechenheft – Gibt es nicht, Pech gehabt!
Wie kommuniziert ein Gehörloser, wenn niemand um ihn herum die Gebärdensprache kann?
Diese ganzen Dinge – für die sich momentan noch niemand zuständig fühlt, um die Kümmere ich mich ab Sofort.
Das Jahr 2016 wird auch das Jahr der Apps! Zum einen werde ich regelmäßig Blogartikel schreiben welche Apps es für Android und Apple gibt, die körperliche Einschränkungen ausgleichen können. Zum Anderen werde ich die App-Entwicklung für Android lernen um selber Apps zu entwickeln.
Ziel 2016 ist es: möglichst viele Apps zu finden oder zu entwickeln, die häufig vorkommende körperlichen Einschränkungen ausgleichen können und somit eine große Hilfe sind, dass körperlich eingeschränkte Menschen aktiv am Alltag teil nehmen können.
wer für eine bestimmte Einschränkung eine App sucht, darf mir gerne eine Mail schreiben an info@maelem-software.de .
2016 ich freue mich auf Dich!!!
Das Lied zum Abschnitt ist „Dieser Weg“.

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