Welttag der Menschen mit Behinderungen 2017 – Markus Lemcke: Behindert in Reutlingen

Gestern war der 3. Dezember 2017. Der dritte Dezember ist jedes Jahr der Welttag der Menschen mit Behinderungen, auch wenn die Reutlinger Tageszeitung „Reutlinger General Anzeiger“ nie darüber berichtet. Ich schreibe heute über einige Erlebnisse die ich in Reutlingen regelmäßig erleben muss.

Reutlingen kämpft gegen die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes für Menschen mit Behinderungen

Seit 1. Mai 2002 gibt es ein Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen. Sinn dieses Gesetzes ist, Menschen mit Behinderungen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Aus Sicht der Stadt Reutlingen ist der Sinn des Gesetzes, der armen Stadt Reutlingen Kosten zu verursachen die sie ohne Behinderte nie gehabt hätten. Deswegen sind folgende Paragraphen heute am 4. Dezember 2017 noch immer nicht in ganz Reutlingen umgesetzt:

    • § 7 Benachteiligungsverbot für Träger öffentlicher Gewalt
    • § 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr
    • § 9 Recht auf Verwendung von Gebärdensprache und anderen Kommunikationshilfen
    • § 10 Gestaltung von Bescheiden und Vordrucken
    • § 11 Verständlichkeit und Leichte Sprache
    • § 12 Barrierefreie Informationstechnik

Das spannende an der nicht Umsetzung dieses Gesetzes ist, dass ich noch immer nicht herausfinden konnte, wer für die Umsetzung eigentlich zuständig ist.

Der Denkmalschutz verhindert die Inklusion und die Barrierefreiheit bei Behörden-Webseiten

Seit dem Jahr 2006 gibt es die UN-Behindertenrechtskonvention . Die UN-Behindertenrechtskonvention sind Menschenrechte. Die Inklusion ist in der UN-Behindertenrechtskonvention definiert und ist somit ein Menschenrecht.
Das Landratsamt Reutlingen ist Inklusionsbehörde. Der Haupteingang des Landratsamts hat eine Treppe ohne Geländer. Deswegen komme ich mit meiner Gehbehinderung nicht zum Haupteingang hinein, weil ich ein Geländer benötige bei Treppen. Das Landratsamt darf aber kein Geländer anbringen, weil das Gebäude Denkmal geschützt ist. Nach Paragraph 12 Gleichstellungsgesetz für Behinderte ist auch das Landratsamt seit 1. Mai 2002 dazu verpflichtet die Webseite barrierefrei zu machen. Weder die Startseite noch die Unterseite der Inklusionskonferenz des Webauftritts des Landratsamts ist heute am 4.12.2017 barrierefrei. Aber auch die Webseite der Stadtverwaltung Reutlingen, ja alle Behörden-Webseiten sind nicht barrierefrei. Es gibt also nicht nur für das Gebäude des Landratsamtes einen Denkmalschutz, sondern auch alle Webseiten von Behörden sind Denkmal geschützt.

Webseite Landratsamt Reutlingen/Inklusionskonferenz. Der Farbkontrast auf der rechten Seite beim Text "Geschäftsstelle Inklusionskonferenz ..." zwischen Hintergrund-und Schriftfarbe ist nicht barrierefrei für Menschen mit Farbfehlsichtigkeit
Webseite Landratsamt Reutlingen/Inklusionskonferenz. Der Farbkontrast auf der rechten Seite beim Text „Geschäftsstelle Inklusionskonferenz …“ zwischen Hintergrund-und Schriftfarbe ist nicht barrierefrei für Menschen mit Farbfehlsichtigkeit

Der Sportverein TSG macht Inklusion ohne Denkmalschutz

In Reutlingen gibt es einen Sportverein mit dem Namen TSG. Dieser Sportverein hat mehrere Abteilungen in denen Inklusion gelebt wird. Das bedeutet, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam Sport machen. Ich war 3 Jahre in der Fechtabteilung und bin jetzt beim Tischtennis. Sport macht mir richtig Spaß und ich bin froh, dass es den Sportverein TSG in Reutlingen gibt.

Netzwerk Antidiskriminierung Reutlingen / Tübingen

Seit 1. August 2006 gibt es ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz . Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Weil ein Mann mit dunkler Hautfarbe nicht in eine Reutlinger Diskothek hineingelassen wurde mit der Begründung, es seien schon genug „Schwarze“ in der Diskothek, wurde ein runder Tisch gegen Diskriminierung und ein Netzwerk Antidiskriminierung Reutlingen / Tübingen gegründet. Ich habe als einer von mehreren Darstellern an einem Film gegen Diskriminierung mitgemacht und bin regelmäßiger Besucher der Empowermentgruppe des Netzwerk Antidiskriminierung Reutlingen / Tübingen. Diskrimierungserlebnisse wegen meiner Behinderung hatte ich früher in Angestelltenverhältnissen und in einer sehr speziellen Freikirche in Reutlingen. Ich möchte in einer Welt leben in der es Diskriminierungen wegen Behinderung, Hautfarbe, sexuelle Identität und Alter nicht gibt. Außerdem bin ich der Meinung dass Engagement gegen Diskriminierung hilft, dem Rechtsradikalismus Einhalt zu gebieten.

Alle sind behindert die einen Parkplatz suchen

Die Stadt Reutlingen hat es noch immer nicht geschafft, Falschparker auf Behindertenparkplätze so hart und vor allem regelmäßig zu bestrafen, dass es aufhört. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür, da wird die Zahl der Falschparker bzw. der Behinderten stark zu nehmen.

Hier ein tolles Video zum Thema Behindertenparkplätze.

Barrierefreiheit in der Gastronomie steht zu 90% auch unter Denkmalschutz

Viele Gaststätten, Cafes, Bistros und Hotels haben kein Interesse an Gästen mit Behinderungen. Dabei habe die doch die Webseite Barrierefrei-Mobil , wo ich auch sehr gerne Reutlinger Gaststätten, Hotels und Cafes kostenlos eintrage. Mein Lieblingsrestaurant ist das Sportheim Betzingen. Behindertenparkplatz direkt vor der Tür, Treppe mit Geländer und einen Seiteneingang mit Rollstuhlrampe. Das Personal ist nett und hilfsbereit. Mein Lieblingsort zum unter der Woche mal „abschalten“ und auf andere Gedanken kommen ist das Bistro „Game Over“. Sehr oft habe ich eine Parkmöglichkeit direkt neben dem Eingang, Eingang ist ebenerdig und das Personal ist ebenfalls nett und hilfsbereit.

„GEA“, eine Tageszeitung kämpft gegen Gleichstellung von behinderten Menschen und Inklusion

Es ist egal, ob ich der Tageszeitung „Reutlinger General Anzeiger“, abgekürzt GEA, 4 Tage vor dem Europäischen Protesttag einen Brief schreibe, mit der Bitte, dass sie dieses Jahr über diesen Tag berichten oder ob ich 3 Monate vor der Bundestagswahl einen Brief schreibe, dass das Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen noch immer nicht umgesetzt ist, mit der Bitte, dass sie darüber berichten, ich werde ignoriert. Über den Welttag der Menschen mit Behinderungen hat der GEA noch nie geschrieben. In meiner Beamtenausbildung im mittleren Dienst habe ich gelernt, dass Tageszeitungen in einer Demokratie die vierte Gewalt sind und somit eine Kontrollfunktion haben. Dies scheint, warum auch immer für den Reutlinger General Anzeiger nicht zu gelten. Aus meiner Sicht ist der Reutlinger General Anzeiger der Hauptschuldige, dass die Gleichstellung von Behinderten und die Inklusion im Schneckentempo voran geht.

Wann gehört Reutlingen zur Welt?

Ich wohne jetzt seit 1998 in Reutlingen und warte noch immer voller Spannung darauf, wann der 3. Dezember auch in Reutlingen „Der Welttag der Menschen mit Behinderungen“ ist.

Autor: Markus Lemcke

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