Rollstuhlfechten Deutsche Meisterschaft 2016 – Markus Lemcke aus Reutlingen war zum ersten Mal dabei

Am Samstag den 5. März war ich zum ersten Mal auf einer Deutschen Meisterschaft im Rollstuhlfechten. Dieses Jahr war sie in Heidelberg. Was ich dort erlebt habe, erfahren Sie in diesem Blogartikel.

Rollstuhlfechten – wie alles begann

Seit Juni 2013 bin ich in der Fechtabteilung des TSG Reutlingen . Der Grund warum ich mit fechten begonnen habe waren Schmerzen an der linken Schulter. Näheres können Sie im Blogartikel „Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!“ nachlesen.

Rollstuhlfechten Deutsche Meisterschaft 2016 – Die Anreise

Samstag morgen um 3:45Uhr klingelte der Wecker. Um 4:00 Uhr war meine Mutter da und half mir die Fechtstrümpfe und Fechthose anzuziehen. Die Fechtstrümpfe sind sehr lang, dass ist mit einer Hand schwierig.
Geplante Abfahrt war um 5:45uhr. Meine Mutter und ich waren schon um 5:20Uhr am Treffpunkt. Um ca. 6:00uhr ging es los Richtung Heidelberg.
Um ca. 7:30Uhr waren wir bereits in der Turnierhalle.

Turnierhalle der Deutschen Meisterschaft im Rollstuhlfechten in Heidelberg morgens gegen 7::30uhr

Rollstuhlfechten Deutsche Meisterschaft 2016 – Die Klassifizierung

Im Behindertensport, egal welche Sportart, gibt es eine große Herausforderung: Das sportliche vergleichen von Menschen mit völlig unterschiedlichen körperlichen Einschränkungen. Deswegen gibt es verschiedene Kategorien je nach schwere der körperlichen Einschränkung.
Im Prinzip darf jeder am Rollstuhlfechten teilnehmen, der durch eine dauerhafte Einschränkung Nachteile beim nicht-behinderten Fechten hat. Dazu zählen also nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Amputierte oder Personen mit einer Knieversteifung.

Die Einteilung erfolgt in die Kategorien A, B und C. Bei komplettem Querschnitt kann man die Einteilung leicht vornehmen:

Fechter der Klasse A besitzen noch vollständig intakte Rücken- und Bauchmuskulatur, meist sind sie noch in der Lage, auf den Beinen zu stehen oder sogar zu laufen.

Fechter der Klasse B besitzen keine vollständige Rücken- und Bauchmuskulatur mehr, haben aber keine Einschränkungen im Bereich Arme und Hände.

Fechter der Klasse C haben auch keine vollständige Funktion von Armen und Händen aufzuweisen.

Eine Klassifizierung von inkompletten Querschnitten, Amputierten etc. ist nicht so einfach wie oben beschrieben. Zur Einstufung wurde von einer Klassifizierungskommission ein Verfahren entwickelt, wonach durch fechtspezifische Funktionstests die Einteilung vorgenommen wird.
Quelle: Rollstuhlfechten
Die Feststellung der Kategorie nennt sich Klassifizierung. Ich musste vor dem Turnier in eine Umkleidekabine und zwei Damen haben verschiedene Untersuchungen und Tests mir gemacht um meine Kategorie herauszufinden. Ich musste bestimmte Bewegungen mit den Armen und mit dem Oberkörper machen. Aufgrund dieser Tests und meines muskulösen Oberkörpers wurde ich in Kategorie B eingestuft.
Das war ein Schock für mich. Meine Trainer hatten mir gesagt, ich bin Kategorie C. Ich habe 3 Jahre jetzt als Kategorie C Fechter gefochten und plötzlich Kategorie B. Sicher fragen Sie sich, warum das so wichtig ist. Es geht um die Abstände zwischen den Rollstühlen. Da Kategorie C-Fechter mehr eingeschränkt sind aufgrund ihrer Behinderung, ist der Abstand weniger groß zum Gegnerischen Rollstuhl wie bei Kategorie B.
Ich musste also die deutsche Meisterschaft in einem Abstand zum Gegner fechten, den ich vorher noch nie trainiert hatte. Aufgrund meines Protests, holten die Damen meinen Trainer Philipp Pleier. Es wurde vereinbart dass die Damen mich während des Turniers beobachten und wenn sie aufgrund der Beobachtungen zu einem anderen Ergebnisses kommen, wird die Klassifizierung korrigiert. So kam es auch. Nach dem Turnier wurde ich in die Kategorie C eingestuft. Aber eben erst nach dem Turnier.

Rollstuhlfechten Deutsche Meisterschaft 2016 – Die Vorrunde

Die Vorrunde wurde in zwei Gruppen gefochten. In meiner Gruppe waren sehr viel B-Kategorie-Fechter die mit dem Oberkörper sehr viel beweglicher waren als ich. Joachim Friess, ein C-Kategorie-Fechter aus Heidelberg, war auch in meiner Gruppe. In der ersten Runde musste ich gleich gegen meinen Vereinsfreund Jörg Dinkelacker. Ich habe nicht wirklich gut gefochten und mit sehr viel Glück 5:4 gewonnen!
Nach Jörg, hatte ich eine Reihe von Gegnern die mit dem Oberkörper sehr viel beweglicher waren wie ich. Deswegen fehlte mir der Mut anzugreifen. Ich habe meinen Arm ganz lang gemacht und versucht den Gegner am Handgelenk zu treffen bzw. wenn er sich vor beugt um mich zu treffen, dass ich einen Armtreffer setzen kann.
Irgendwann kam ich dann gegen Joachim Friess. Wir kennen uns schon seit zwei Jahren. In meinen gedanklichen Vorbereitungen wollte ich ihn angreifen, harte Degenschläge machen und meine Muskelkraft ausspielen. Ich habe im letzten Jahr sehr viel Muskeltraining gemacht zuhause mit Gewichte, weil ich bei der Deutschen Meisterschaft gegen Gegner wie Joachim meine Muskelkraft als Vorteil ausspielen wollte. 100Mal bin ich im Kopf durchgegangen was ich in solch einem Gefecht versuchen werde. Jetzt saß ich vor Joachim wie ein Kaninchen vor der Schlange und alle tollen Pläne waren weg! Nichts ist mir eingefallen von all dem was ich mir vorgenommen hatte im Gefecht gegen Joachim. Nicht mal angreifen! Deswegen verlor ich sehr deutlich mit 5:2.

Rollstuhlfechten Deutsche Meisterschaft: Markus Lemcke versucht den Gegner zu treffen

Die erste k.o.-Runde

Weil ich gegen Jörg glücklich gewonnen hatte, kam ich in die erste k.o.-Runde. k.o.-Runde bedeutet, für den Verlierer ist die Deutsche Meisterschaft beendet!
Die Turnierausloser hatten irgendwie was gegen uns Reutlinger …
Ich musste gegen mein Vereinsfreund Max! Max und ich sind ungefähr gleich gut, wobei ich denke, dass er noch einen Tick besser fechtet wie ich! Ich stellte mich also auf einen sehr harten Kampf ein, bei dem es durchaus sein kann das ich verliere und dann die langersehnte Deutsche Meisterschaft für mich zu Ende ist.
Weil es für dieses Duell entscheidend war, muss ich vorher noch was erklären. Im Training haben wir gefochten wer zuerst 5,10 oder 15 Treffer beim Gegner setzt, gewinnt das Gefecht. Bei der deutschen Meisterschaft kam noch der Faktor Zeit dazu. Wenn eine bestimmte Zeit, entweder 3 oder 9 Minuten abgelaufen ist, gewinnt der Rollstuhlfechter, welcher die meisten gemacht Treffer hat. Diese Tatsache brachte mich auf eine Idee …
Aus irgendwelchen Gründen war ich gegen Max von Beginn an immer leicht in Führung. Nach und nach wurde der Abstand größer. Beim Stand von 8 zu 4 für mich, beschloss ich, dass ich mit einem 8 zu 4 zufrieden bin und deswegen nur noch verteidige. Ich hielt meinen Oberkörper zurück und machte meinen Fechtarm lang und versuchte so Max auf Abstand zu halten bzw. ihn an der Hand zu treffen. Der Plan funktionierte und ich machte auf diese Weise 7 Treffer und gewann das Gefecht mit 15:4. Die erste k.o.-Runde war überstanden!

Die zweite k.o.-Runde – das Aus!

Die zweite k.o.-Runde verlor ich 15 zu 2! ganz deutlich. Dieser Gegner, gegen den ich verlor, wurde allerdings am ende zweiter in der Kategorie B / C.

Die Schluss-Tabelle

Hier liste ich die Abschluss-Tabelle auf der Kategorie B / C:

PlatzNationNameVereinJg.
1GERCHEEMA BalwinderTUS Maccabi Rostock1979
2GERKRATZAT HolgerOSC Berlin1967
3GERBARTMANN UweJena Caputs1961
4SUIDE OLIVEIRA Frederico NoahFechtclub Bern1999
5GERFRIESS JoachimFC Heidelberg/TSG Rohrbach1978
6GERWIDMAIER TimSV Böblingen1990
7GERLEMCKE MarkusTSG Reutlingen1970
8GERNEUMANN NilsTSG Reutlingen2000
9GERVIERIG AndreasSV 1845 Esslingen1987
10GERMAGVAS MaximilianTSG Reutlingen1986
11GERDINKELACKER JörgTSG Reutlingen1986

Siegerehrung Kategorie B/C Deutsche Meisterschaft im Rollstuhlfechten

Erst Frust, dann glücklich!

Die Tatsache, dass ich es nicht ins Finale geschafft habe und nicht einmal unter die besten drei, hat mich zunächst sehr deprimiert.
Als ich Samstagabends zuhause war und meine Urkunde anschaute war ich glücklich. „Markus, Du warst auf einer deutschen Meisterschaft. Das hast Du im Schach nie geschafft, obwohl Du über 30 Jahre Schach gespielt hast!“, ging durch meinen Kopf. Als ich die Schlusstabelle sah, war ich dann richtig stolz! Joachim Friess war gerade zwei Plätze vor mir. Andreas Vierig, der schon sehr viel länger fechtet wie ich, war sogar hinter mir!
Plötzlich war ich richtig stolz!

Wie geht es weiter?

Zunächst ein Dankeschön an alle meine Trainer! Ein besonderes Dankeschön an meine Fechttrainerin Beate Hummel. Als das Rollstuhlfechten los ging, war sie eine ganze Weile unsere Haupttrainerin. Sie hat es geschafft mich für den Fechtsport so zu begeistern, dass ich sogar das Schach spielen ganz aufgehört habe um mich nur noch auf das Fechten konzentrieren zu können. Danke Beate!
Wie es weiter geht? Wer mich kennt, der weiss es! Wenn ich mir mal vorgenommen habe, dass ich im Rollstuhlfechten deutscher Meister werden möchte, dann lasse ich mich von einem Rückschlag nicht davon abbringen. In zwei Jahren ist die Deutsche Meisterschaft wieder in Heidelberg. Da versuche ich es erneut, deutscher Meister zu werden in der Kategorie C!

Gruppenfoto: Rollstuhlfechter und Trainer vom TSG Reutlingen
Hintere Reihe: Saskia, Johannes, Beate, Markus, Nils und Philipp.
Vorne: Jörg und Max

Rollstuhlfechten – Trainingsendspurt für die deutschen Meisterschaften

Vom 4. bis zum 6. März 2016 bin ich auf der deutschen Meisterschaft im Rollstuhlfechten. Ich möchte in meiner Fechtklasse nicht schlechter als Platz 2 abschneiden, aber eigentlich möchte ich Meister werden!

Durch die unterschiedlichen Behinderungsarten gibt es beim Rollstuhlfechten „Kategorien“. In Kategorie A fechten Menschen mit meiner leichten Behinderung, in Kategorie B Menschen mit einer „mittelschweren“ Behinderung und in Kategorie C Menschen mit einer schweren Behinderung.

Ich fechte in Kategorie C!

Um ab 4. März 2016 körperlich top fit zu sein, habe ich mir folgendes Trainingsprogramm auf erlegt das ab sofort gilt:

Montag und Freitag Training in der Storlach-Halle

Montag bis Freitag, also jeden Tag, eine Stunde Muskeltraining mit Gewichte.

Samstag 1 Stunde Sportkegeln im Sportheim Betzingen

Der Endspurt beginnt!

Einladung zum Schnupperworkshop Rollstuhlfechten Dezember 2015

An alle Interessierten am Rollstuhlfechten

Einladung zum Schnupperworkshop Rollstuhlfechten

Liebe Rollstuhlfechtinteressierten,

ich möchte Euch ganz herzlich zu dem „2. Schnupperworkshop Rollstuhlfechten des WBRS“ am 19.12.15 in Reutlingen einladen. Ihr habt erneut die Möglichkeit, die Faszination Fechten hautnah zu erleben und aus- zuprobieren. Neben der theoretischen Einführung steht ein abwechslungsreiches Programm, das durch viele praktische Übungseinheiten abgerundet wird, auf dem Plan. Am Ende dieses aufregenden Tages wer- det ihr Euch wie eines der drei Musketiere oder D’ Artagnan fühlen.
Hauptziel dieses Workshops ist es allen Interessenten am Rollstuhlfechten und denen, die es werden wol- len, das Rollstuhlfechten theoretisch und praktisch vorzustellen und näher zu bringen. Das abwechslungs- reiche Programm zeigt auf, was das Fechten im Rollstuhl so besonders macht und was man mit intensivem Training erreichen kann.
Eine verbindliche Anmeldung ist spätestens bis zum 04.12.15 möglich!

Veranstalter WBRS
Lehrgangsleitung dipl. Trainer Philipp Pleier, Bastian Lindenmann
Teilnehmer Alle Interessierten am Rollstuhlfechten und deren Begleiter
Datum 19.12.15 (Samstag)
Uhrzeit 10.00-17.00 Uhr
Ort Trainingshalle:
TSG Sporthalle in Reutlingen
Wilhelm-Herz-Straße
72762 Reutlingen

Die Lehrgangsunterlagen werden nach erfolgter Anmeldung zugesandt
Ich freue mich auf Euer Kommen!
Sportliche Grüße,

Philipp Pleier

Die komplette Einladung + Anmeldeformular kann als PDF-Datei heruntergeladen werden: Einladung Schnupperlehrgang Rollstuhlfechten Dezember 2015

Rollstuhlfechten: Die Vorbereitungen zur Deutschen Meisterschaft laufen auf hochtouren

Seit ca. 2,5 Jahren mache ich beim TSG Reutlingen Rollstuhlfechten. Nächstes Jahr im März 2016 gehe ich zur Deutschen Meisterschaft nach Heidelberg und möchte dort in meiner Fechtkategorie Deutscher Meister werden.

Was ist Rollstuhlfechten?

Rollstuhlfechten ist ein Sport für Menschen mit Behinderungen. Eine detallierte Beschreibung finden Sie im Blogartikel „Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!

Trotzdem nochmal kurz paar Grundsätzliche Dinge zum Rollstuhlfechten:

Trefffläche
Beim Degenfechten ist nicht – wie bei den Nichtbehinderten üblich – der gesamte Körper Trefffläche, sondern die Beine werden ausgeschlossen. Die Treffer können also nur oberhalb der Hüfte gesetzt werden. Beim Degen wird der Bereich unterhalb der Hüfte durch eine geerdete Brokatdecke abgedeckt.

Fechtstellung bei Beginn
Da die Rollstuhlfechter im Gegensatz zu den Fußgängern zu Beginn einen Abstand haben, der ihnen sofort einen Treffer ermöglicht, ist die Ausgangssituation reglementiert. Nach dem „Fertig“-Signal des Obmanns darf keiner der beiden Fechter seine Klinge mehr bewegen. Bei Verstoß oder vorzeitigem Beginn wird dies mit einer Verwarnung 1. Ordnung bestraft.
Als Ausgangsstellung dürfen bei Florett und Degen die Klingen nicht über die Glocke des Gegners hinausragen, beim Säbel dürfen sich die Klingen nicht kreuzen. Ebenso ist ein Berühren der Klingen vor dem „Los“-Signal des Obmannes nicht erlaubt.
Klassifizierung nach Behinderungsart und -grad
Im Prinzip darf jeder am Rollstuhlfechten teilnehmen, der durch eine dauerhafte Einschränkung Nachteile beim nicht-behinderten Fechten hat. Dazu zählen also nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Amputierte oder Personen mit einer Knieversteifung.
Die Einteilung erfolgt in die Kategorien A, B und C. Bei komplettem Querschnitt kann man die Einteilung leicht vornehmen:
Fechter der Klasse A besitzen noch vollständig intakte Rücken- und Bauchmuskulatur, meist sind sie noch in der Lage, auf den Beinen zu stehen oder sogar zu laufen.
Fechter der Klasse B besitzen keine vollständige Rücken- und Bauchmuskulatur mehr, haben aber keine Einschränkungen im Bereich Arme und Hände.
Fechter der Klasse C haben auch keine vollständige Funktion von Armen und Händen aufzuweisen.
Ich bin Klasse C.
Quelle: Deutscher Fechter-Bund e.V.: Rollstuhlfechten

Rollstuhlfechten – Das Training im Verein

Seit einem Jahr gehe ich zweimal in der Woche trainieren. Montag von 18:00uhr bis 19:30uhr und Freitag von 17:00uhr bis 19:00uhr. Montags trainieren die Rollstuhlfechter unter sich. Freitags ist Inklusion angesagt, gemeinsames Training mit Fechtern ohne Behinderungen. Trainiert wird in der Storlachhalle in Reutlingen.
Wir trainieren an einem Stoßkissen und machen Partnerübungen.
Wichtig bei Fechten sind flüssige genaue Bewegungen, die sehr schnell erfolgen sollten. Um ein Fechtturnier gewinnen zu können, ist ebenso Muskelkraft und Kondition gefragt. Der Degen muss stets so gehalten werden, damit der Gegner es möglichst schwer hat den Körper zu treffen. Dies erfodert sehr viel Muskeln.

Die Webseite von der Fechtabteilung ist: TSG Reutlingen 1843 e.V. – Fechtabteilung + Rollstuhlfechten

Rollstuhlfechten – Training zu Hause

Zuhause mache ich Muskeltraining mit 1 Kg Gewichten. Weil ich mit meiner rechten Hand keine Gewichte halten kann, habe ich Gewichte mit Klettverschluss, die ich um das Handgelenk fixieren kann.

Das Muskeltraining mache ich Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils eine halbe Stunde.

Gewichte mit Klettband für Muskeltraining

Rollstuhlfechten – Das Ziel: Deutscher Meister der Klasse C!

Nächstes Jahr im März 2016 möchte ich zur Deutschen Meisterschaft nach Heidelberg und in der Klasse C deutscher Meister werden. Bis dahin gibt es noch viel zu trainieren!
Weiter geht es!

Rollstuhlfechter Markus Lemcke mit Fechtanzug und Degen im Rollstuhl sitzend

Rehab 2015: Ein Tag wie im Paradies

In diesem Blogartikel erfahren Sie was die „Rehab“ ist, warum ich da war und wie ich diesen Tag wahr genommen habe.

Was ist die Rehab?

Die Rehab ist eine Internationale Fachmesse für Rehabilitation, Therapie und Prävention.
Ohje, ich befürchte Begriffe wie „Rehabilitation“ und „ Prävention“ ist für einige meiner Blogleser „Chinessisch rückwärts“! Also, ich erkläre es:

Rehabilitation oder Rehabilitierung (mittellat.: rehabilitatio, „Wiederherstellung“) bezeichnet die Bestrebung oder ihren Erfolg, einen Menschen wieder in seinen vormals existierenden körperlichen Zustand zu versetzen (medizinische Rehabilitation, zur beruflichen Rehabilitation vgl. Berufsförderungswerk), beziehungsweise in seine frühere soziale oder juristische Position (z. B. Wiederherstellung der Ehre). Quelle: Rehabilitation

Prävention (lateinisch praevenire „zuvorkommen“) bezeichnet Maßnahmen zur Abwendung von unerwünschten Ereignissen oder Zuständen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen könnten, falls keine Maßnahmen ergriffen werden. Prävention setzt voraus, dass Maßnahmen zur Verfügung stehen, die geeignet sind, den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen. Der Begriff der Vorbeugung wird synonym verwendet. Prävention stellt meistenteils eine Form der Intervention dar. Quelle: Prävention

Damit das ganze nicht zu abstrakt wird, fasse ich es nochmal in eigenen Worten zusammen. Rehabilitation ist, wenn ich mit Hilfe von Rollstuhlfechten meine Muskelverspannungen beseitigen kann und somit wieder schmerzfrei werde. Prävention ist, wenn ich trotz schmerzfreiem Zustand weiterhin Rollstuhlfechten mache, damit die Muskelverspannungen nicht mehr wieder kommen. Alles klar? grins

Die Rehab ist also eine Messe für körperbehinderte Menschen die sich informieren möchten welche Möglichkeiten es gibt um körperliche Einschränkungen oder soziale Nachteile ausgleichen zu können und welche Möglichkeiten es gibt, damit körpliche oder soziale Nachteile erst gar nicht entstehen.

Wer ist der TSG?

Mein Rehab-Besuch wurde vom TSG Reutlingen organisiert, deswegen möchte ich kurz darauf eingehen was der TSG ist. Der TSG ist ein großer Sportverein in Reutlingen dem Inklusion von behinderten Menschen sehr wichtig ist! Der TSG hat u. a. Eine Fechtabteilung in der Menschen ohne und mit Behinderung gemeinsam Fechten trainieren. Ich bin jetzt schon fast zwei Jahre in dieser Fechtabteilung und es macht riesig viel Spass! Die Trainer und Trainerinnen, kennen sich nicht nur sehr gut mit Fechten aus, sondern Sie sind auch echte Experten in Sachen „Sporttraining für Behinderte“!

You never walk alone (zu deutsch: Du gehst nie alleine) !

Wenn ich in Reutlingen Unterwegs bin (Imbiss-Bude beim Real, Game Over Fußball schauen, Fußgängerzone) sehe ich wenig andere behinderte Menschen. So entsteht der Eindruck, dass es nur sehr wenig behinderte Menschen gibt. Im Alltag ist es auch eher selten, dass einem Menschen ohne Behinderung begegnen die sich für die Interessen von Behinderten stark machen.
Als ich die Messehalle in Karlsruhe betrat, änderte sich alles!
Da waren Behinderte und zwar viele! Sehr viele! Richtig viele! Es waren aber auch sehr viel hilfsbereite, nette Menschen ohne Behinderung.
Überall wo ich hin kam wurde mir Hilfe angeboten. Manchmal bin ich so richtig angestrahlt wurden, einfach so! Bei der Imbiss-Bude, die im Innenhof auf dem Messegelände stand, sprach ich einfach ein Mädel an, mit der Bitte, dass Sie mein Essen und Getränk an den Tisch trägt. Hat sie selbstverständlich gemacht! Kein komischer Blick von Ihr, nichts. War eben selbstverständlich!

Rollstuhlfechten: En garde !

Der Grund warum wir zur Rehab gefahren sind, war natürlich das Rollstuhlfechten. Die Fechtabteilung vom TSG wollte zeigen, dass Rollstuhlfechten ein cooler Sport für behinderte Menschen ist.
Nils und ich machten einen Fechtkampf gegeneinander und gegen Zuschauer. Martin Sowa, von der Inklusionssportstelle bei Bison, moderierte den ganzen Tag. Martin wollte dass ich gegen eine Studentin von der pädagogischen Hochschule in Freiburg fechte, aber die Mädels wollten nicht! Dann durfte ein Student gegen mich fechten. War knapp, aber ich habe 5:3 gewonnen!
Unsere Demonstration vom Rollstuhlfechten hat riesig Spaß gemacht und kam auch bei den Zuschauern gut an.
Ich glaube für Menschen die vom Behindertensport keine Ahnung haben, war sehr ungewöhnlich zu sehen, wie langsam ich zu Fuß unterwegs bin (bis ich endlich beim Rollstuhl war) und wie schnell ich dann plötzlich beim Fechten bin! Ich bin mir ziemlich sicher, dass solche Ereignisse helfen zu verstehen, dass Menschen mit Behinderungen genauer betrachtet werden müssen!

Schlussbemerkung:

Es war ein super Tag und es war super toll vom TSG organisiert. Mir hat der Tag wieder mal gezeigt, dass ein zusammen leben von Menschen mit und ohne Behinderung richtig einfach sein kann und es sich lohnt daran zu glauben und dafür zu kämpfen!
Ich kämpfe für Inklusion und für Chancengleichheit für alle Menschen!
Wer kämpft mit?

Paralympics-Sportler Markus Rehm wird Deutscher Meister bei den Sportlern ohne Behinderungen – Sind jetzt behinderte Menschen plötzlich mehr wert?

Markus Rehm ist als behinderter Sportler deutscher Meister der Nichtbehinderten geworden. Der Weitspringer schaffte dabei auch die Qualifikationsnorm für die Europameisterschaft im August.

In nachstehenden Artikel können Sie nachlesen was genau passiert ist:
Markus Rehm wird Deutscher Meister und schafft die EM-Norm

Markus Rehm hat eine Beinprothese. Nun wird darüber diskutiert ob eine Prothese ein unfairer Vorteil ist. Ich möchte in diesem Artikel nicht darüber nachdenken ob eine Prothese „Materialdopping“ ist. Ich möchte darüber nachdenken ob es nach diesem Ereignis noch Sinn macht, Menschen mit Behinderung als „minderwertig“ zu bezeichnen.

Die bisherige Sicht der Gesellschaft auf Menschen mit Behinderungen

Lange Zeit galten Menschen mit Behinderte als „minderwertig“. Im Schwerbehindertengesetz, dass es zum Glück nicht mehr gibt, wurde Behinderung als „regelwidriger Zustand“ definiert!

Behinderte werden oft nicht als Arbeitnehmer eingestellt, weil sie körperlich nicht so belastbar sind, wie Menschen ohne Behinderung.

Behinderte sind als Lebenspartner unattraktiv. Behinderte kosten zuviel Geld und vieles mehr. Solche Ansichten „spuken“ noch immer durch Deutschland!

Gesetze versuchen die Gleichstellung von Behinderten zu „befehlen“!

Seit 1994 steht im deutschen Grundgesetz dass der Staat Behinderte nicht benachteiligen darf. Seit 2002 gibt es ein Gleichstellungsgesetz welches den Staat dazu verpflichtet dafür zu sorgen, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen haben wie Menschen ohne Behinderung. Seit 2007 gibt es ein Gleichbehandlungsgesetz welches u.a. verhindern soll, dass Behinderte im Umgang Bürger gegen Bürger benachteiligt werden.

Diese Gesetze waren und sind mit Sicherheit nicht schlecht! Dennoch ändern Sie nicht wirklich was an der Sichtweise wie in Deutschland über Behinderung gedacht wird.

Aufklärungsarbeit wäre meiner Meinung nach viel besser wie Gesetze! Unser Land benötigt eine neue Sichtweise auf Menschen mit Behinderungen! Der erste Fehler ist bereits menschliches Leben nach dessen Leistungsfähigkeit bewerten zu wollen. Die Fähigkeiten zwei verschiedener Körper können so unterschiedlich sein, dass ein Vergleich einfach nicht durchführbar ist.
Hilfen suchen statt bewerten!

Was ist jetzt im Sport passiert? Markus Rehm hat auf der rechten Seite nur ein halbes Bein! Das fehlen eines halben Beines ist ein schwerer Verlust. Laufen nur mit einem Bein geht gar nicht. Menschen die ein Bein verloren haben, bekommen regelmäßig Phantomschmerzen. Phantomschmerzen bedeutet, dass fehlende Teil des Beins schmerzt!
Er wollte sich aber nicht damit abfinden, dass er nun weniger Wert ist, weil ihm ein halbes Bein fehlt.

Rehm hatte eine Idee: Er besorgte sich einen künstlichen Ersatz für sein Bein. Eine Prothese! Ein Hilfsmittel!

Prothesen / Hilfsmittel machen Menschen mit Behinderung „wertvoll“ !?

Die Beinprothese sollte eigentlich nur das fehlende halbe Bein von Markus Rehm ersetzen. Markus Rehm war im Weitsprung im Vergleich mit anderen Behindertensportler immer der beste! Das war für ihn keine Herausforderung mehr.
Jetzt ist er zu den Weitspringern ohne Behinderung und hat dort gewonnen. Plötzlich ist ein behindertes Leben mit Hilfsmittel mehr wert wie ein nichtbehindertes Leben ohne Hilfsmittel! Markus Rehm hatte angeblich einen Vorteil!

Was halten Sie von der Idee? Ohne Hilfsmittel weniger wert, mit Hilfsmittel mehr wert! Ist das nicht völlig schräg? Merken Sie lieber Blogleser wie schnell es völlig unübersichtlich wird, wenn aufgrund körperlichen Möglichkeiten ein Mensch bewertet wird!

Marlem-Software baut EDV Prothesen seit dem Jahr 2000

Im Jahr 2000 gab es den ersten Webauftritt mit der Bezeichnung „Marlem-Software“. Damals war es eine private Webseite. Ich begann Software zu entwickeln die behinderte Menschen helfen den Computer zu bedienen. Ich habe diese Software „Behindertensoftware“ genannt. Diese Art von Software(=Prothese) befähigt behinderte Menschen den Computer so zu bedienen als ob diese keine körperliche Einschränkung haben. Ich war und bin der Meinung, dass behinderte Menschen mit Hilfe von „EDV-Prothesen“ gleiches lesten können wie Menschen ohne Behinderungen.

Lassen Sie uns Hilfsmittel / Prothesen bauen um körperliche Einschränkungen auszugleichen!

Der Sieg von Markus Rehm im Weitsprung gegen Sportler ohne Behinderung zeigt ganz klar, dass es sich lohnt behinderte Menschen zu unterstützen. Es ist nicht sinnvoll Menschen zu ignorieren oder in eine Ecke zu stellen nur weil diese körperliche Einschränkungen haben.

Menschen mit Behinderung können durch Hilfsmittel / Prothesen körperliche Einschränkungen ausgleichen. Ein Leben mit Behinderung muss überhaupt nicht zwangsläufig weniger wert sein als ein Leben ohne Behinderungen.

Wenn Sie eine Behinderung haben, dann suchen Sie nach Prothesen welche Sie zum Sieger machen. Wenn Sie keine Behinderung haben und einen Menschen mit Behinderung begegnen, dann überlegen Sie welche „Prothese“ (=Hilfsmittel) er benötigt, damit er ein glückliches Leben führen kann.

Ich und mein Unternehmen Marlem-Software werden weiterhin EDV-Prothesen bauen, weil durch Prothesen das Leben von Menschen mit Behinderung noch mehr Möglichkeiten hat!

Ich würde mir wünschen, dass dieses Ereignis dazu führt das ganz Deutschland über Menschen mit Behinderung neu nachdenkt!

Jeder Mensch ist wertvoll und kann Höchstleistungen vollbringen! Der eine ohne, der andere mit „Prothese“ !!!

Danke an Markus Brehm!!!

Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!

In diesem Blogartikel geht es mal um was persönliches. Ich schildere was mein Körper vor zwei Jahren sich „ausgedacht“ hat und warum ich jetzt begeisterter Rollstuhlfechter bin.

Einfach so plötzlich Schmerzen

Im Alter von 42 Jahren hatte ich von jetzt auf nachher Schmerzen in der linken Schulter. Innerhalb von wenigen Stunden waren sie so stark, dass ich den Arm nur schwer bewegen konnte. Am Anfang hat Magnesiumpulver geholfen. Aber nicht lange. Ein Termin beim Orthopäde war notwendig. Diagnose: Muskelverspannunngen altersbedingt! Der Orthopäde meinte: „Herr Lemcke, bei Ihrer Behinderung ist das in dem alter nicht ungewöhnlich!“. Na Super und jetzt?

Krankengymnastik hilft, aber nicht so ganz !

Der Orthopäde hat mich ins Reha-Zentrum Oberwässere geschickt. Die spezielle Drucktechnik der Therapeutin hat sofort geholfen! Aber wenn die Schmerzen am Wochenende kamen, wußte ich nicht was ich dagegen tun sollte. Es musste eine andere Lösung her!

„Mein Sohn Du musst zum Behindertensport!“

Mein Vater hatte die zündete Idee: Behindertensport. Bei einem Besuch bei Martin Sowa wurden mir die Behindertensportarten des TSG Reutlingen vorgestellt. Ich habe überlegt bei welcher Sportart ich die wenigsten Einschränkungen durch meine Behinderung habe und meine Schulter wieder fit wird. Meine Wahl fiel auf Rollstuhlfechten!

Ein strahlendes Trainergesicht motiviert!

Ich nahm per Mail mit Fechttrainer Philipp Pleier Kontakt auf. Als ich dann in der Storlachhalle kam, erfuhr ich, dass ich nicht von Philipp trainiert werde sondern von einer Beate Hummel. Es war einfach Sympathie auf den ersten Blick! Beate ist ein sehr positiver, lieber Mensch, aber auch eine konsequente Fechttrainerin! Beeindruckt hat mich Ihre große Bereitschaft sich in die Welt der Behinderten einzufühlen.
Beates Aufwärmübungen waren ein wichtiger Schritt meine Schulterschmerzen ein für alle mal los zu werden!

Inklusionssport – Als Behinderter nicht in der Ecke sondern mitten drin

Zur selben Zeit wie die Menschen mit Behinderungen trainieren, trainieren auch die Fechter ohne Behinderung. Regelmäßig werden Partnerübungen gemacht: ein Fechter ohne Behinderung mit einem Fechter mit Behinderung. Das geht wunderbar und motiviert!

Wie funktioniert Rollstuhlfechten?

Meine Behinderung heißt Spastik. Ich bin gehbehindert und meine rechte Hand ist stark behindert. Also ich bin kein Rollstuhlfahrer. Zum Fechten sitze ich aber im Rollstuhl. Ich trage eine Maske, eine Fechtjacke und einen Fechthandschuh. Meine Waffe ist ein Degen.

Die Rollstühle werden auf einem Gestell fixiert. Also dem Degen des Gegners ausweichen durch wegfahren geht nicht. Entweder dem gegnerischen Degen ausweichen durch bewegen des Oberkörpers oder abwehren mit dem eigenen Degen.

Die Trefferfläche ist oberhalb der Hüfte.

Weil es sehr unterschiedliche Behinderungsarten gibt, wird in Kategorien eingeteilt: A, B und C.

Eine Paralympics-Rollstuhlfechterin kommt nach Reutlingen

Plötzlich war Sie da, eine neue Rollstuhlfechterin. Sie ist sehr zurückhaltend, bescheiden, lieb und eher unscheinbar. Aber gib Ihr einen Degen in die Hand und Sie wird zur „Fechtmaschine“! 2012 gewann Sie Silber bei den Paralympics in London. 2013 holte Sie Bronze bei der WM mit dem Florett. Sie ist amtierende Europameisterin im Degen in der Kategorie B! Simone Briese-Baetke  .

Simone brachte einen gigantischen Motivationsschub für mich! Plötzlich war Schluss mit nur die Schulterschmerzen los werden. Plötzlich war der Gedanke „Mal schauen wie weit ich komme im Rollstuhlfechten!“. Ich bin ehrgeizig geworden.

Keine Schmerzen, dafür Muskeln, Ausdauer und mehr Energie im Alltag!

Zum letzten Weihnachten bekam ich ein Theraband geschenkt. Mit ihm trainiere ich 3-4mal in der Woche! Es Dient ebenso zum Muskelaufbau. Meine Schulterschmerzen sind komplett weg, ich bin nicht mehr so schnell erschöpft, und habe mehr Energie für den Alltag.

Mein Körper erholt sich schneller, wenn ich mal erschöpft bin oder doch mal leichte Rückenschmerzen habe.

Der Blick in den Spiegel zaubert oft ein Schmunzeln in mein Gesicht. Meine linken Oberarmmuskeln sind sehr ungewohnt, aber auch beeindruckend. Das sind die Auswirkungen von Beates Aufwärmübungen und regelmäßige, wöchentliche Besuche des Rollstuhlfechttrainings!

Es lohnt sich, auch als Mensch mit Behinderung Sport zu machen. Es macht riesig viel Spass und verbessert den körperlichen allgemeinzustand ganz erheblich!

Die Lust zum Rollstuhlfecht-Sieg, die tobt in mir!

Paralympics 2014: Rückblick, Gedanken, Ausblick und Visionen

Am Sonntag gingen die Paralympics 2014 zu Ende. Ich möchte hier einige Gedanken anbringen, die mir so durch den Kopf gingen.

Das deutsche Team – mein erster Eindruck

Bei der Eröffnungsfeier war ich zunächst sehr enttäuscht. Es war ein sehr kleines Team, dass Deutschland nach Sotschi geschickt hat. Da leider außerhalb der Paralympics sehr wenig vom Behindertensport zu sehen und zu lesen ist, wußte ich natürlich nicht, dass da lauter Stars ins Stadion kamen. 5 Damen die alle gleich mehrere Medaillen holten.

Hilfe benötigen und bekommen ist ganz normal

Außerhalb der Paralympics als Mensch mit Behinderung Hilfe benötigen ist in Deutschland noch immer sehr gruselig. Lange, mehrseitige Anträge müssen ausgefüllt werden und oft verbietet das Gesetz den gesunden Menschenverstand einzusetzen.
Um Ihnen den Unsinn so richtig deutlich zu machen folgendes Beispiel:
Jemand ist 100% Schwerbehindert. Wäsche waschen und putzen macht die Mutter, weil die Person es selber nicht kann. Wenn die Mutter das irgendwann mal nicht mehr kann muss die Person ins Behindertenheim, weil der Staat lieber 2000,- Euro für einen Platz im Behindertenheim bezahlt statt pro Monat 200,- Euro für eine Putzhilfe! Für die Bezahlung einer Putzhilfe gibt es einfach kein Gesetz!

Bei den Paralympics gelten andere „Gesetze“! Es ist selbstverständlich, dass blinde und sehbehinderte Ski-Langläufer einen Begleitläufer bekommen. Der Begleitläufer übermittelt per Sprache dem Behindertensportler wohin es geht und was vor Ihnen für eine Strecke liegt. Sogar Ski Alpin machen blinde und sehbehinderte Sportler mit Hilfe einer Begleitperson.
Wer Hilfe benötigt, bekommt sie auch! Warum geht das nur bei den Paralympics?

Vergleichen ja, aber fair

Beispiel aus meinem früheren Berufsleben im Angestelltenverhältnis:
„Ja Herr Lemcke, Sie sind einfach zu langsam. Kollege X ist viel schneller wie sie, ich muss sie kündigen!“. Sehr clever! Kollege X hat auch zwei voll funktionstüchtige Hände, während meine rechte spastisch gelähmte Hand zu sehr sehr wenig Dingen brauchbar ist!
Was fehlte? Die Bereitschaft darüber nachzudenken, wie die spastisch gelähmte Hand mit Hilfe von technischen Möglichkeiten ausgeglichen werden kann. Es fehlte auch die Einsicht, dass es bestimmte Tätigkeitren gibt, die ich besser gar nicht mache, weil es aufgrund meiner Behinderung gar nicht klappen kann oder viel zu lange dauert!
Inzwischen bin ich selbstständig und es klappt wunderbar! Ich mache mir VOR der Auftragsaquise Gedanken, welche Aufträge machen Sinn und welche nicht. Für schwierige Tätigkeiten entwickle ich Spezial-Software die mir Hilft die Arbeit schneller zu erledigen oder ich bereite die Arbeit so gut vor, dass alles klappt wie am Schnürchen!
Ich habe bei bestimmten Tätigkeiten eine andere Art abzurechnen und bin deswegen sogar Konkurrenzfähig gegenüber Unternehmer ohne Behinderung!!!
Auch wenn vergleichen noch immer in der Gesellschaft große Mode ist, es macht oft überhaupt keinen Sinn! Menschen sind viel zu unterschiedlich. Das ist auch ein Problem bei den Paralympics! Es gibt von ein und der selben Behinderung verschiedenste Auswirkungen. Wie sollen die miteinander verglichen werden?
Im folgenden Blogartikel habe ich das Grundprinzip erklärt:
Paralympics 2014: Wie können verschiedene Behinderungen sportlich fair miteinander verglichen werden

Allerdings kommt noch ein anderer Faktor dazu, die Zeit! Bei Behindertensportlern die eine schwere Behinderung haben läuft die Zeit langsamer wie bei Behindertensportlern mit einer leichten Behinderung. Mit dieser Methode ist es tatsächlich möglich, verschiedenste Behinderungen fair miteinander zu vergleichen!
Bleibt die spannende Frage warum das nur bei den Paralympics funktioniert und sonst nicht? Ich würde mich sehr freuen, wenn viele meiner Blogleser darüber nachdenken würden ob es sich nicht lohnt, diese paralympische Idee in die Gesellschaft zu integrieren. Beim Anblick von Menschen nach Stärken zu suchen und nicht nach Schwächen! Zusätzlich für die Schwächen einen unbürokratischen Ausgleich schaffen. Das wäre cool, oder?!

Wichtigkeit der Paralympics bei der Presse, Internet und Fernsehen

Es war für mich was ganz besonders als ein Tag vor Beginn der Paralympics auf der Titelseite einer Reutlinger Tageszeitung ein Foto eines Paralympics-Sportlers zu sehen war! Die Presse war dabei! Alle großen Nachrichten-Webseiten berichteten täglich über die Paralympics. Täglich wurde in ARD und ZDF mehrere Stunden über die Paralympics berichtet. Beide Sender hat ehemalige Paralympics-Sportler als Experten. Es war einfach phantastisch!

Das abschneiden des deutschen Teams

Der Blick auf den Medaillenspiegel nach Sportlern zeigt „Klasse, statt Masse“! Das deutsche Paralympics-Team war klein, aber fein! Anna Schaffelhuber schaffte von 5 Wettbewerben 5 Goldmedaillen. Sie ist zweifelsohne ein Paralympics-Star! Andrea Eskau zeigte mit Ihren zwei Goldmedaillen, dass auch bei Ihr mehr drin gewesen wäre, wenn die Gesundheit mehr mitgespielt hätte! Leider war sie zweimal nicht fit und musste den Wettbewerb vorzeitig abbrechen. Andrea Rothfuss und Anja Wicker sorgten für weitere Gold-und Silbermedaillen. Anna-Lena Forster holte Silber und Bronze. Insgesamt erreichte Deutschland den zweiten Platz im Medaillenspiegel.

Wünsche und Visionen für die Zukunft

Ich wünsche mir, dass Anna Schaffelhuber in vielen Sportsendungen zusehen ist und somit bekannt wird. Vielleicht wird sie ja Sportlerin des Jahres 2014!
Ich wünsche mir, dass einmal in der Woche im Fernsehen über Behindertensport berichtet wird. Regelmäßig!
Ich wünsche mir, dass Behindertensportler die gleiche finanzielle Förderung bekommen wie Sportler ohne Behinderung.
Ich wünsche mir, dass Menschen nur fair miteinander verglichen werden.

Ich wünsche mir mehr Paralympics für die Welt!

Paralympics 2014: Deutscher Medaillenregen am Schlusstag

2mal Gold, einmal Silber und eine Bronze-Medaille am Schlusstag der Paralympics.

Anna Schaffelhuber hat zum Abschluss der Paralympics von Sotschi ihre fünfte Goldmedaille gewonnen. Die querschnittsgelähmte Monoskifahrerin gewann nach Abfahrt, Super-G, Slalom und Super-Kombination auch den Riesenslalom. Sie ist das Golden Girl der deutschen Paralympics-Mannschaft.

Andrea Eskau landete nach einer Woche mit Höhen und Tiefen im 5-Kilometer-Rennen mit dem Ski-Schlitten einen unerwarteten Gold-Coup. In der stehenden Klasse gewann Fahnenträgerin Andrea Rothfuss Silber. Anna-Lena Forster (18) krönte ihre ersten Paralympics mit Bronze im Riesenslalom.

Im Medaillenspiegel steht Deutschland auf Platz 2 hinter Russland. Medaillenspiegel

Paralympics 2014: Samstag ohne Medaillen für Deutschland

Heute keine Medaillen für das deutsche Paralympics-Team.

Georg Kreiter stürzte im Riesenslalom und musste seine Medaillen-Hoffnungen begraben. Bestplatzierter Deutscher war Thomas Nolte als Achter. Der 36-jährige Brem bestreitet seine sechsten Paralympics. Morgen hat er seine letzte Chance eine Medaille zu ergattern. Willi Brem wird bei der Schlussfeier am Sonntag die deutsche Fahne ins Stadion in Sotschi tragen. Am Sonntag ruhen die Gold-Hoffnungen vor allem auf Anna Schaffelhuber.