Barrierefreie Software-Entwicklung: Alles eine Sache der „Einstellung“.

Die Überschrift dieses Blogartikels ist Doppeldeutig. Zum einen möchte ich hier auf die Problemstellung eingehen „Wie mache ich eine Software barrierefrei ohne, dass man es Ihr sofort ansieht?“. Zum anderen möchte ich hier nochmal die Frage aufgreifen „Lohnt es sich überhaupt eine Software barrierefrei zu gestalten?“.

Ich erlebe es immer wieder, dass die Leute sagen, „Meinetwegen darf die Webseite barrierefrei werden, aber das darf man Ihr auf kein Fall ansehen!“. Die Sache ist die, wenn ich in einem Restaurant sitze und am Nachbartisch sitzt eine attraktive, sympathische Dame würde ich auch gerne kurz mal meine Behinderung in die Hosentasche stecken, aber irgendwie klappt das nicht!
Aber keine Angst, so „brutal“ ist die Löung des Problems doch nicht. Ich wollte nur klar stellen, dass es unter Umständen in Ihrer Software stellen geben könnte, wo es einfach unvermeidbar ist, dass dem nichtbehinderten Anwender klar wird, dass die Software auch für Anwender mit Behinderung konzipiert ist.

Die Lösung des Problems ist ein Menüpunkt in Ihrer Software der „Einstellungen“ heißen könnte. Angenommen Sie machen sich wenig Gedanken darüber, ob die von Ihnen gewählten Menüshortcuts(=Tastenkürzel) für Menschen mit einer behinderten Hand gut zu bedienen sind, haben aber im „Einstellungsfenster“ eine Möglichkeit dass der Anwender die Menüshortcuts ändern kann, so ist das eine sehr gute Lösung! Der nichtbehinderte Anwender findet die Menüshortcuts die er von den gängigen Programmen kennt und der Anwender mit Behinderung, kann sich im „Einstellungsfenster“ die Menüshortcuts anpassen.

Ich mache noch ein Beispiel:
Sie haben sich bei der farblichen Gestaltung von Schaltersymbolen an die Empfehlungen von Microsoft gehalten(hier werden Menschen mit Farbfehlsichtigkeit berücksichtigt) haben aber bei der Wahl von Hintergrund-und Schriftfarbe nicht auf Menschen mit Farbfehlsichtigkeit geachtet. Aber! Sie haben im Menü „Einstellungen“ einen Möglichkeit geschaffen, dass Menschen mit einer Farbfehlsichtigkeit die Farben individuell einstellen können. Dieser Lösungsweg ist völlig in Ordnung und reicht aus!

Sie müssen also nicht für jedes Problem eine ultimative Lösung ausknobeln. Sie sollten nur wissen, welche Probleme es geben kann und dem körperlich eingeschränkten Anwender eine Möglichkeit bieten durch individuelle Einstellungsmöglichkeiten Ihre Software barrierefrei zu machen!

Kommen wir zum schwierigeren Teil des Artikels! Lohnt sich überhaupt die Mühe eine Software barrierefrei zu entwickeln? Oft fangen „wir“ behinderte Menschen damit an, dass wir nichts dafür können, dass wir behindert sind, dass die nichtbehinderten „froh“ sein sollen dass sie keine Behinderung haben und aus Dankbarkeit auf uns behinderte Menschen Rücksicht nehmen sollen. Grundsätzlich ist das gar nicht so verkehrt, aber in der Praxis bezieht man doch sehr oft „verbale Schläge“ und erntet Unverständnis! Deswegen möchte ich in diesem Blogartikel einen anderen Weg gehen. Ich bin Unternehmer und unter Umständen lesen meine Blogartikel nicht nur Software-Entwickler, sondern Unternehmer und andere Personen die entscheiden müssen ob sie ihre Software barrierefrei machen sollen. Und was interessiert solche Personen? Richtig, Geld! Kann ich damit meine Umsätze steigern oder kostet es nur?

Hier sind wir an dem Punkt angelangt, wo man sich erst mal die Frage stellt wieviel behinderte gibt es überhaupt in Deutschland? Die antwort finden Sie auf der Webseite des statistischen Bundesamts. Fast 10 Millionen behinderte Menschen im Jahr 2009.
10 Millionen Menschen haben also eine Behinderung. Machen wir ein kleines Rechenexperiment:

Sie verkaufen eine barrierefreie Software an 10 Millionen Menschen mit Behinderung für 1 Euro. Richtig, dann haben Sie 10 Millionen Euro Umsatz gemacht! Also gut, Sie kennen sich aus und sagen, dass es geistig und schwerstbehinderte Menschen gibt, die aufgrund Ihrer Behinderung keine Software bedienen können. Wir reduzieren die 10 Millionen auf 6 Millionen behinderte Menschen! Dann sind das trotzdem 6 Millionen Euro die Sie verdienen können! Wollen Sie sich das entgehen lassen?

Ich möchte noch ein anderes Argument ins Spiel bringen. Sämtliche Behörden sind seit dem Gleichstellungsgesetz von 2002 dazu verpflichtet, dass die von Ihnen eingesetzte Software barrierefrei sein muss! (Dies steht im §11 Barrierefreie Informationstechnik) Jetzt gehen die Behörden auf die Suche nach Software-Unternehmen die eine barrierefreie Software verkaufen …. Möchten Sie nicht auch von diesem „Kuchen“ etwas ab haben?

So, hierbei möchte ich es belassen. Ich hoffe Ihnen hat das lesen genau soviel Spass gemacht wie mir das schreiben. Ich würde mir wünschen, dass meine Blogartikelreihe dazu beiträgt, dass die Standardsoftware barrierefrei wird.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Menschen mit 50+ barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: 50+“ habe ich erklärt, welche Probleme Menschen mit 50+ bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit Menschen mit 50+ wenig Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Zunächst mal, möchte ich nochmals betonen, dass 50+ keine Behinderung ist und ich mit diesem Artikel und mit dem Vorgänger keine Menschen mit 50+ diskrimieren möchte. Ich erlebe es jedoch häufig, dass in der Softwareentwicklung über diese Personengruppe wenig nachgedacht wird. Deswegen möchte ich durch diese Artikel das Bewusstsein schärfen, dass diese Personengruppe ähnliche Probleme haben kann, wie Personen mit bestimmten Behinderungsarten.

Mit zunehmendem Alter kann die Sehkraft nachlassen. Deswegen sollten Sie darauf achten, dass Beschriftungen von Eingabefeldern nicht zu klein sind. Zusätzlich sollten Sie überprüfen, ob sich die Schriften in der Software vergrößern, wenn der Anwender in der Systemsteuerung große Systemschriften einstellt. Wenn der Anwender in der Systemsteuerung große Schriften einstellt und in Ihrer Software bleibt die Schriftgröße gleich, ist die Einstellungsmöglichkeit in der Systemsteuerung für den Anwender wertlos.

Als weitere Folge von zunehmendem Alter, können Schwierigkeiten bei der Farberkennung auftreten. Deswegen sollten Sie bei der Gestaltung von Schaltersymbolen und bei der Wahl von Hintergrund-und Schriftfarbe auf einen ausreichenden Farbkontrast achten. Eine dunkler Hintergrund und eine dunkle Schriftfarbe kann bei Menschen mit 50+ und Menschen mit einer Farbsehschwäche zu großen Problemen führen.

Ebenso kann es für Menschen mit 50+ hilfreich sein, wenn der Eingabefokus deutlich zu erkennen ist. Hier möchte ich nochmal die Empfehlung aussprechen, dem aktiven Eingabefeld eine andere Hintergrundfarbe zu geben. Das hilft auf jeden Fall für Menschen mit einer Sehbehinderung und kann auch eine große Hilfe für Menschen mit 50+ sein.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Menschen mit einer Lernbehinderung barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: Lernbehinderungen“ habe ich erklärt, welche Probleme gehörlose Menschen bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit Menschen mit einer Lernbehinderung wenig Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Im ersten Artikel habe ich erwähnt, dass es nicht ganz einfach ist, die verschiedenen Arten der Lernbehinderung zu berücksichtigen. Deswegen möchte ich hier auch etwas „Druck“ raus nehmen. Es ist mit Sicherheit nicht möglich, alle Arten der Lernbehinderung zu berücksichtigen. Deswegen möchte ich in diesem Artikel Vorschläge machen, welche Maßnahmen helfen, eine Software für Lernbehinderte zugänglich zu machen.

Texte, zum Beispiel Hilfetexte, sollten kurze Sätze haben. Versuchen Sie verschachtelte Sätze zu vermeiden. Wenn Sie Fremdwörter , zum Beispiel Fachbegriffe verwenden, sorgen Sie dafür, dass es eine Möglichkeit gibt, nachzulesen, was der Fachbegriff bedeutet. Eine Idee ist zum Beispiel, dass Sie einen Link setzen auf einen Lexikoneintrag in dem der Fachbegriff verstädnlich erklärt wird. Der Königsweg ist natürlich, die Vermeidung von Fachbegriffen. Ich bin mir aber dessen bewusst, dass dies nicht immer möglich ist.

Wenn Sie Eingabemasken gestalten, sollten Sie darauf achten, dass die Eingabefelder eine Beschriftung haben und es eindeutig erkennbar ist, welche Beschriftung zu welchem Eingabefeld gehört.

Falls Ihre Software Fragen beinhalten die schriftlich beantwortet werden müssen, kann das für Menschen mit Lernbehinderung ein Problem darstellen. Eine Alternative könnte sein, dass Sie bestimmte Antwortmöglichkeiten vordefinieren und der Anwender ein Antwort per Mausklick auswählen kann.

Wenn Ihre Software eine Hilfe hat, können Sie darüber nachdenken, ein paar Videos einzubauen. Menschen mit einer Leseschwäche, können unter Umständen ein Video besser nachvollziehen wie geschriebener Text.

Dies sind einige Anregungen wie Sie Ihre Software für Menschen mit Lernbehinderungen zugänglicher machen können.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Gehörlose barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: Gehörlose“ habe ich erklärt, welche Probleme gehörlose Menschen bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit gehörlose Menschen keine Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Wie im obigen Artikel schon erwähnt, haben Gehörlose wenig Probleme beim bedienen von Software. Grundsätzlich geht es darum, dass Sie in Ihrer Software keine Informationen nur akustisch verfügbar ist.

Nehmen wie nochmal das Beispiel des Mail-Programmes. Wenn ein Mail-Programm eingehende Mails ankündigt mit „Sie haben Post!“ ist das für Menschen die hören können eine tolle Sache. Für Gehörlose ist es eine Katastrophe, weil Sie keine Chance h aben, diese Information zu erhalten. Das ist der Grund warum alle Mailprogramme eingegangene, ungelesene Mails fettgedruckt darstellen. Dies können Gehörlose sehen!

Anderes Beispiel. Sie geben sich richtig Mühe mit Ihrer Programmhilfe und drehen Videos die zeigen wie bestimmte Programmfunktionen ausgeführt werden. Die meisten Lernvideos haben dann auch noch eine Stimme, die das gezeigte kommentiert. Diese Stimme hören Gehörlose nicht! Deswegen sollten Sie unter der Videoanzeige den Inhalt des Videos schriftlich zusammenfassen oder den gesprochenen Text im Video 1 zu 1 schriftlich wiedergeben. Eine andere Idee ist, dass Sie im Video einen kleines Fenster integrieren, in welchem eine Person den gesprochenen Text in Gebärdensprache darstellt.

Selbstverständlich ist es, aber ich erwähne es der Vollständigkeit halber trotzdem, dass Gehörlose keinen MP3-Player verwenden. Also sich die Mühe machen, einen MP3-Player zu entwickeln, der mp3-Dateien in Schriftform konvertiert ist nicht wirklich sinnvoll!
Es gibt also eine bestimmte Art von Software, bei der es sich nicht lohnt über Barrierefreiheit für Gehörlose nachzudenken.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Blinde barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: Blinde“ habe ich erklärt, welche Probleme blinde Menschen bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit blinde Menschen keine Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Da blinde Menschen mit einem Programm namens Screenreader arbeiten, sind sie darauf angewiesen, das die Programmoberfläche der Software dem „Bildschirmleser“ Textinformationen bereitstellen.

Wenn Sie Programmoberflächen mit Java entwickeln sollten Sie die Swing-Komponenten benutzen. Diese haben die Eigenschaften „AccessibleName“ und „AccessibleDescription“. Diesen Eigenschaften können Sie Textinformationen für den Screenreader zuweisen. Näheres über die barrierefreie Softwareentwicklung mit Java können Sie im Blogartikel „Accessibility: Barrierefreie Software-Entwicklung mit Java“ nachlesen.

Wenn Sie mit dem Microsoft .net-Framework Programmoberflächen entwickeln so gibt es dort ebenso die Eigenschaften „AccessibleName“ und „AccessibleDescription“.
Ausführliche Informationen finden Sie im Blogartikel „Accessibility: Barrierefreie Software-Entwicklung mit .net bzw. C#“.

Ebenso ist es wichtig, dass Sie Grafiken einen Alternativtext geben. Falls In Ihrer Software Videos vorhanden sind, die für die Benutzung der Software wichtig sind, sollten Sie eine Zusammenfasung des Videoinhalts als Text bereitstellen.

Blinde Menschen können keine Computermaus bedienen, deswegen muss eine Software komplett per Tastatur bedienbar sein, damit Sie für blinde Menschen bedienbar ist. Ihre Software sollte ein Menü besitzen in dem die wichtigsten Programmfunktionen vorhanden sind. Außerdem hilft es blinde Menschen, wenn wichtige Programmfunktionen mit Tastenkürzel(Shortcuts) ausgeführt werden können. Wenn Ihre Software nur Schalter ohne Beschriftung besitzt, müssen blinde Menschen so lange die Tabulatortaste drücken, bis der gewünschte Schalter den Fokus hat. Das ist sehr mühsam.
Wenn Sie in Ihre Software Eingabefelder mit Beschriftungen haben, dann sorgen Sie dafür, dass die Beschriftung mit dem Eingabefeld verbunden ist und per Tastenkürzel direkt erreichbar ist. Wenn der Blinde das Tastenkürzel der Beschriftung drückt wird der Textcursor in das dazugehörige Eingabefeld gesetzt.

Mit diesen Maßnahmen wird Ihre Software für Blinde bedienbar.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Sehbehinderte barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: Sehbehinderung“ habe ich erklärt, welche Probleme Menschen mit einer Sehbehinderung bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit Menschen mit einer Sehbehinderung keine Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Sehbehinderte haben Probleme bei zu kleiner Schrift. Außerdem haben Sie ähnliche Probleme wie Menschen mit einer Farbfehlsichtigkeit, wenn bei Programmoberflächen zu wenig Kontrast zwischen Vordergrund und Hintergrundfarbe vorhanden ist.

Wie sollte eine Software beschaffen sein, damit Sie für Menschen mit Sehbehinderung nutzbar ist?

In der Systemsteuerung (bei Windows 7 „Darstellung und Anpassung“ ? „Anzeige“) können Sehbehinderte u.a. die Systemschriftgröße einstellen. Diese Einstellungen sollten unbedingt von Ihrer Software übernommen werden. Es macht keinen Sinn, wenn ein Sehbehinderter im Betriebsystem große Systemschrift einstellt und die Schriftgröße in Ihrer Software beträgt 8(das ist sehr klein. Testen Sie es mal bei einer Textverarbeitung.)
Ebenso eine gute Idee ist es, wenn der Anwender in der Software die Schriftgröße selbst einstellen kann.

Desweiteren sollten Sie darauf achten, dass in Ihrer Software ein guter Farbkontrast vorhanden ist. Eine helle Schrift auf hellem Hintergrund ist keine gute Idee. Der Farbkontrast ist auch wichtig, wenn Sie selber Schaltersymbole gestalten. Sehbehinderte haben bei schlechtem Farbkontrast erhebliche Probleme den Bildschirminhalt zu erkennen.

Für Sehbehinderte ist es oft schwer zu erkennen, in welchem Eingabefeld der Textcursor gerade ist, wenn dieser nur als flacher, senkrechter Strich dargestellt wird. Ich habe es mir angewöhnt, die Hintergrundfarbe des aktiven Eingabefeldes zu verändern. Hierbei muss natürlich wieder auf einen guten Farbkontrast zwischen Hintergrundfarbe und Schriftfarbe geachtet werden.

Sehbehinderte und Blinde arbeiten oft mit einem Screenreader. Deswegen sollten die Komponenten der Programmoberfläche Informationen für den Screenreader bereitstellen. Bei Java verwendet man hierfür am besten die Swing-Komponenten. Beim Microsoft .net-Framework haben alle Komponenten entsprechende Eigenschaften.

Falls in Ihren Programmoberflächen Grafiken oder Logos sichtbar sind, benötigen diese einen Alternativtext damit der Screenreader dem Sehbehinderten die entsprechende Information übermitteln kann.

Wenn Sie all diese Punkte bei der Software-Entwicklung beachten, dann wird Ihre Software für Menschen mit Sehbehinderung bedienbar sein.

Barrierefreie Software-Entwicklung: Wie kann eine Software für Spastiker barrierefrei gemacht werden?

Im Blogartikel „Accessibility – Barrierefreie Software-Entwicklung: Die Behinderung Spastik“ habe ich erklärt, welche Probleme Menschen mit einer Spastik bei der Bedienung von Software haben. In diesem Blogartikel erfahren Sie wie Software entwickelt werden kann, damit Menschen mit einer spastischen Behinderungen keine Probleme bei der Bedienung von Software haben.

Die Behinderung Spastik kann unterschiedlich stark sein. Manchmal sind nur die Beine betroffen, manchmal nur die Arme und Hände, es kann aber auch sein, dass Arme, Hände und Beine betroffen sind.

Wie schon im ersten Artikel erwähnt, sind Tastenkombinationen für Spastiker mit gelähmten Händen ein Problem. Sorgen Sie dafür, dass es in Ihrer Software eine Möglichkeit gibt die Tastenkombinationen zu ändern. Eine gute Idee ist, Tastenkürzel und/oder Menüshortcuts auf die Funktionstasten zu legen. Zum Beispiel kann die Tastenkombination Strg+O für „Datei öffnen“, auf die Taste F2 gelegt werden.
Die Taste F1 sollten Sie nicht zur Umbelegung anbieten, weil Sie für den Aufruf der Hilfe reserviert ist. Falls 11 Funktionstasten zu wenig sind, können Sie die Feststelltaste für Großschreibung abfragen. Das bedeutet, dass eine Funktionstaste ohne gedrückte Feststelltaste eine andere Funktion aufruft wie mit gedrückter Feststelltaste.

Meiden Sie in Ihrer Software überraschende Ereignisse. Angenommen der Anwender macht einen Fehler und Plötzlich flackert der ganze Bildschirm oder es kommt ein lauter und unangenehmer Ton. Das kann bei Spastiker dazu führen, dass sie erschrecken und deswegen völlig verkrampfen.

Angenommen Ihre Software stellt dem Anwender eine Frage und er hat nur 10 Sekunden Zeit um eine Antwort zu geben. Die kann bei Spastiker sehr großen Stress auslösen, der wiederum dazu führt, dass die Muskeln völlig verkrampfen. Dies sollten Sie in Ihrer Software unbedingt vermeiden.

Software die per Sprache zu bedienen ist, kann für viele behinderte Menschen eine große Erleichterung sein. Wenn die Bedienung per Sprache die einzige Möglichkeit ist, kann dies für Menschen mit einer Spastischen Lähmung der Sprachmuskeln eine unüberwindbare Barriere sein. Sorgen Sie also für eine Alternative zur Spracheingabe.

Wenn Sie obige Tipps in Ihrer Software umsetzen, stehen die Chancen gut, dass viele Menschen mit einer Spastik Ihre Software bedienen können.

Barrierefreie Software-Entwicklung: 50+

In diesem Blogartikel erfahren Sie welche Probleme Menschen die über 50 Jahre sind, bei der Bedienung von Software haben. Selbstverständlich ist 50+ keine Behinderung.

Sicher sind Sie verwundert, dass ich in einer Blogartikelreihe über barrierefreie Softwareentwicklung Menschen mit 50+ erwähne. Selbstverständlich möchte ich nicht Menschen mit 50+ diskriminieren. Jedoch können Menschen mit 50+ die selben Probleme bei der Bedienung von Software haben wie Menschen mit bestimmten Behinderungsarten.

Die Zahl der Menschen mit 50+ welche am Computer arbeiten steigt stetig an. Computerarbeit hat den Vorteil, dass sie bei Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit oder Beweglichkeit dennoch durchgeführt werden kann. Deswegen sind Menschen mit 50+ eine wichtige Zielgruppe auch für Softwarehäuser/Software-Entwickler.

Menschen mit 50+ können Probleme bei unübersichtlichen Programmoberflächen haben. Kleine Schriften bei Beschriftungen z. B. Von Eingabefeldern können ebenso ein Problem sein für Menschen mit 50+. Ebenfalls kann es durch das nachlassen der Sehkraft problematisch sein, wenn zwischen Hintergrund-und Schriftfarbe zu wenig Kontrast vorhanden ist.

Wie die Probleme von Menschen mit Lernbehinderung bei der Software-Entwicklung gelöst werden können, erfahren Sie im Artikel „Wie kann eine Software für Menschen mit 50+ barrierefrei gemacht werden?

Barrierefreie Software-Entwicklung: Lernbehinderungen

In diesem Blogartikel erfahren Sie die Definition von Lernbehinderung und welche Probleme Menschen mit einer Lernbehinderung bei der Bedienung von Software haben.

Den Begriff Lernbehinderung gibt es seit 1960. Lernbehinderung zu definieren ist nicht ganz leicht. Die Kanter-Definition lautet „langandauerndes, schwerwiegendes und umfängliches Schulleistungsversagen“. In der Regel geht eine Lernbehinderung mit einer Beeinträchtigung der Intelligenz einher, die jedoch nicht so schwerwiegend ist, dass es sich um einen Fall von geistiger Behinderung handelt. Laut Wikipedia ist das die „beste“ Definition von Lernbehinderung. Mir persönlich sträuben sich die Nackenhaare, wenn ich solche Begriffe wie „Schulleistungsversagen“ lesen muss. Ich möchte es etwas netter formulieren. Für mich ist Lernbehinderung eine Beeinträchtigung des Lernvermögens die unterschiedlich stark sein kann. Das Problem ist, das die Lernbehinderung völlig unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Es gibt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, einen Leserückstand, eine Rechenschwäche, eine isolierte Rechtschreibschwäche, und andere Einschränkungen.

Sie ahnen es wahrscheinlich schon. Es ist nicht ganz leicht zu definieren in welchen Bereichen Menschen mit Lernbehinderung Probleme im Umgang mit Software haben. Die Probleme von Lernbehinderten sind sehr unterschiedlich. Dennoch gibt es ein paar generelle Aussagen die ich machen kann.

Lange und verschachtelte Sätze, sind für viele Menschen mit Lernbehinderung ein Problem. Fachausdrücke sind für viele Menschen mit Lernbehinderung ebenfalls sehr problematisch. Software bei der Fragen schriftlich beantwortet werden müssen und es auf eine korrekte Rechtschreibung beim beantworten ankommt, sind ein Problem für Menschen mit Lernbehinderung. Unübersichtliche Eingabemasken können für Menschen mit Lernbehinderung ebenso ein Problem sein.

Wie die Probleme von Menschen mit Lernbehinderung bei der Software-Entwicklung gelöst werden können, erfahren Sie im Artikel „Wie kann eine Software für Lernbehinderte barrierefrei gemacht werden?

Barrierefreie Software-Entwicklung: Gehörlose

In diesem Blogartikel erfahren Sie die Definition von Gehörlosigkeit und welche Probleme gehörlose Menschen bei der Bedienung von Software haben.

Gehörlosigkeit wird in der Medizin als Taubheit bezeichnet. Gehörlosigkeit ist eine Behinderung. Gehörlosigkeit kann angeboren oder erworben sein. Die erworbene Taubheit kann durch Scharlach, Masern, Tuberkulose oder Mittelohr-Erkrankungen entstehen.

Die angeborene Taubheit kann vor der Geburt durch Röteln, Vererbung oder Syndrome entstehen. Gehörlose haben oft Schwierigkeiten beim Sprechen, weil Sie ja nicht hören können, wie geschriebene Wörter gesprochen werden. Deswegen verwenden sie zur Kommunikation die Gebärdensprache. Die Gebärdensprache ist eine Visuelle Sprache. Die Gebärdensprache besteht aus Zeichenkombinationen die mit Händen, Mimik und Mund gebildet werden.

Bei der Bedienung von Software haben gehörlose Menschen wenig Probleme. Da Menüs und Schalter Visuelle Elemente sind, gibt es hier keine großen Probleme.

Kennen Sie die Fernsehwerbung in der das Mail-Programm spricht „Sie haben Post!“?
Angenommen, das Mail-Programm würde nur sprechen und würde neue Mails nicht visuell hervorheben, z. B. Durch Fettdruck, dann hätten Gehörlose ein Problem zu erkennen, welche Mails Sie noch nicht gelesen haben. Eine Hilfe, in einer Software, welche auf Videos mit Ton basiert, ist für gehörlose Menschen ebenso nicht zugänglich.

Also überall da, wo innerhalb einer Software bestimmte Informationen nur per Audio zur Verfügung stehen, haben gehörlose Menschen ein Problem.

Wie die Probleme von Gehörlosen Menschen bei der Software-Entwicklung gelöst werden können, erfahren Sie im Artikel „Wie kann eine Software für Gehörlose barrierefrei gemacht werden?