Barrierefreiheit bei Android 4 – Screenreader Talkback

Wie im letzten Kapitel angekündigt folgen einige Artikel zur Barrierefreiheit mit Android. Hier wird der Screenreader Talkback vorgestellt. Zum Test nehme ich mein Smartphone mit Android 4.1 .

Lesen Sie bitte den Artikel erst ganz durch. So bald Sie den Screenreader Talk Back aktiviert haben, ändert sich die Bedienung grundlegend! Was ein Screenreader ist wird ja im oberen Link erklärt, allerdings bezieht sich die Beschreibung auf den Computer.

Was bedeutet Screenreader für Smartphones?
Ein Screenreader ist eine App die alles vorliest was auf dem Bildschirm / Smartphone geschieht. Es werden auch SMS und Mails vorgelesen.

Wer benötigt einen Screenreader?
Blinde und Sehbehinderte benötigen einen Screenreader um ein Smartphone zu bedienen. 

Wie aktivieren Sie Talkback?
Gehen Sie in die „Einstellungen“ und scrollen ganz runter zum Menü „Eingabehilfe“. Dort scrollen Sie bis zu „Dienste“. Darunter steht „Talkback“. Dort einmal darauf tippen. Im nächsten Bildschirm tippen Sie mit dem Finger rechts oben auf den Kreis. Der Schalter wandert nach rechts, aus dem Kreis wird ein senkrechter Strich und Talkback liest vor „Einstellungen“.

Bedienung des Smartphones nach Aktivierung von Talk Back:
Wie oben schon angekündigt, die Bedienung ändert sich grundlegend nach der Aktivierung von Talk Back. Hier die wichtigsten Hinweise zur Bedienung:

Mit zwei Fingern nach oben, unten, rechts oder links schieben
Scrollt den Bildschirm rauf, runter, nach rechts oder links

Bildschirm antippen
Element unterm Finger sprechen.

Nach links oder rechts wischen
Den Talkback- oder Accessibility-Focus zum vorherigen bzw. nächsten Element bewegen und es sprechen.

An beliebiger Stelle auf dem Bildschirm doppelt tippen
Das zuletzt gesprochene Element aktivieren. Doppeltippen und halten bewirkt dasselbe wie das Tippen und Halten ohne TalkBack.

Talkback ist leider noch immer nicht ganz ausgereift. Die meisten Blinden und Sehbehinderten bevorzugen deswegen das Iphone mit IO5.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein deutschsprachiges Video zeigen in dem Talk Back sehr gut erklärt wird:


weitere Blogartikel zur Barrierefreiheit mit Android 4

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Barrierefreiheit bei Android: Hörbehinderung

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Was sind Eingabehilfen?

Ob am Computer oder im Smartphone, immer wieder stolpert man über den Begriff Eingabehilfen. Was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wenn man über die Bedeutung des Wortes „Eingabehilfen“ nachdenkt, kommt man auf die Idee es könnte sich hierbei um eine Hilfe zum Eingeben von Text handeln. Dies ist aber nur zum Teil richtig.

Das folgende Youtube-Video beantortet die Frage „Eingabehilfe – Was ist das?“.

Wer ist die Zielgruppe?

Eingabehilfen richten sich in erster Linie an Menschen mit Behinderung. Das Betriebssystem Windows hatte sogar schon für Windows 3.11 Eingabehilfen zum „nachrüsten“. Seit Windows 95 gehören Eingabehilfen zur Software standardmäßig dazu. Warum haben im Betriebssystem Windows die Eingabehilfen Einzug erhalten und sind kontinuierlich ausgebaut wurden?

Wer war das erste Unternehmen das Eingabehilfen hatte

Das Betriebssystem „Windows“ ist von der Software-Firma „Microsoft“. Microsoft ist ein amerikanisches Unternehmen. In Amerika wird aus juristischer Sicht, sehr viel wert darauf gelegt, dass keine Personengruppe benachteiligt bzw. diskriminiert wird. Dies hat zufolge, dass ein Computer-Software Menschen mit Behinderungen nicht benachteiligen darf. Somit sind amerikanische Software-Firmen, so auch Microsoft, mehr oder weniger dazu gezwungen auf Menschen mit Behinderungen Rücksicht zu nehmen.

Gibt es gesetzliche Bestimmungen?

In Deutschland gibt es seit Mai 2002 ein Gleichstellungsgesetz in dem es einen §12 Informationstechnologie gibt. In diesem Paragraphen steht drin, das staatliche Einrichtungen wie zum Beispiel Behörden dazu verpflichtet sind Ihre Programmoberflächen und Internetseiten barrierefrei zu gestalten. Nicht staatliche Einrichtungen sollten dies tun. Leider wird vom Staat die Umsetzung dieses Paragraphen nicht wirklich kontrolliert. Somit fühlen sich sehr wenig Menschen in Deutschland dazu verpflichtet dies umzusetzen. Das Klagerecht von behinderten Menschen gegen die nicht Umsetzung dieses Gesetzes ist sehr schwierig und somit gibt es in diesem Bereich weitaus weniger Gerichtsverhandlungen als in Amerika.

Allgemeines

Aber zurück zu den Eingabehilfen. Seit Microsoft das Betriebssystem Windows 95 auf dem Markt gebracht hat, gehören Eingabehilfen zum Lieferumfang des Computerprogramms. Bei Windows 95 findet man diese Unterstützung in der Systemsteuerung. Bei Windows 7 sind sie ins Zubehör in den Ordner „Erleichterte Bedienung“ gewandert.

Dieses Bild zeigt die Bildschirmtastatur von Windows 10
Dieses Bild zeigt die Bildschirmtastatur von Windows 10

Eine wichtige Eingabehilfe sind die Einrastfunktionen. Menschen bei denen eine Hand recht stark behindert ist, so dass diese kaum eingesetzt werden kann, habe große Probleme beim drücken von Tastenkombinationen. Tastenkombination bedeutet, dass man mehrere Tasten gleichzeitig drücken muss. Der berühmte Klammergriff, dass gleichzeitige drücken der Tasten Strg+Alt+Entf, ist wohl die unbeliebteste Tastenkombination für körperbehinderte Menschen die nur eine Hand verwenden können.

Die Einrastfunktionen der Eingabehilfe löst dieses Problem. Nach aktivieren der Einrastfunktionen bleiben Zusatztasten wie Strg, Umschalt oder Alt so lange gedrückt bis eine Zeichentaste gedrückt wurde. Allerdings hatte die Sache beim Betriebssystem „Windows NT“ einen haken. Zur Anmeldung bei Windows NT muss man den berühmten Klammergriff machen, sprich die Tasten Strg, Alt und Entf gleichzeitig drücken. Zu diesem Zeitpunkt konnte man aber die Hilfe nicht aktivieren! Man blieb von der Applikation „ausgesperrt“. Nach einigem Recherchieren fand ich heraus, dass ein Eintrag in die Windows-Registrierungsdatenbank das Problem löst. Danach startet das Windows NT durch ohne vom Anwender den Klammergriff abzuverlangen.

Eine weitere Eingabenunterstützung ist die Bildschirmlupe. Sie kam bei Windows 98 dazu, wenn ich es noch richtig im Kopf habe. Die Bildschirmlupe ist eine große Hilfe für Menschen mit einer Sehbehinderung. Die Bildschirmlupe vergrößert den aktuellen Bildschirminhalt.

Dann gibt es noch eine Bildschirmtastatur. Eine Bildschirmtastatur ist eine Software die eine Tastatur simuliert. Menschen die sehr schwer behindert sind, können manchmal mit einer Hardwaretastatur nicht arbeiten und helfen sich mit einer Bildschirmtastatur. Die Bildschirmtastatur von Microsoft gefällt mir recht gut. Sie hat sogar ein Wörterbuch damit nicht jedes Wort bis zu Ende fertig geschrieben werden muss.

Bei Windows 7 gibt es eine Spracheingabe und Sprachausgabe. Die Sprachausgabe ist Englisch und somit für Deutschland unbrauchbar. Die Spracheingabe habe ich noch nicht getestet. Vielleicht gibt das mal ein extra Blogartikel.

Zum Schluss möchte ich noch auf Smartphones kurz eingehen. Das Betriebssystem meines Handys „Samsung Galaxy S GT-I9000“  heißt Android. Hierfür gibt es ebenfalls Eingabehilfen. Die App „Talkback“, ist ein Screenreader der alles was auf dem Smartphone sich abspielt durch Sprache vorliest oder dokumentiert. Ruft das Handy zum Beispiel Mails ab, wird dies durch Sprachausgabe dem Benutzer mitgeteilt.

Die Eingabehilfe-App „Soundback“ gibt bei jeder Aktivität des Handys einen Ton zurück. Zum Beispiel wird das starten und beenden eines Programmes (=App) mit unterschiedlichen Tönen hinterlegt. Soundback ist eine wertvolle Hilfe für Sehbehinderte oder blinde Menschen.

Die Eingabehilfe-App „Kickback“ gibt durch Vibration „Rückmeldung“. Wenn der Anwender eine Anwendung startet oder beendet, wenn ein neues Symbol den Fokus hat oder es gibt dem Benutzer durch Vibration Rückmeldung, dass er einen Schalter erfolgreich gedrückt hat.

Das Smartphone hat noch mehr solcher Hilfen, auf die ich in einem extra Blogartikel eingehen werde.

Bedienungshilfen für Behinderte bei Android 6
Bedienungshilfen für Behinderte bei Android 6

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