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Am 10. Dezember 2003 fand in Berlin ein Jugendkongress statt zum Thema Barrierefreie Techniken, Software und Websites als Vorrausetzung für einen barrierefreien Internetzugang. Erfreulicherweise war ich als Referent eingeladen zum Thema "Barrierefreie Software". Somit kam der große Moment in meinem Leben, nämlich ein Trip nach Berlin! Die Zugfahrt und Unterkunft wurde vom Veranstalter organisiert und finanziert. Damit ich auch ein bisschen Berlin besichtigen konnte, bin ich schon einen Tag früher los gefahren, natürlich mit dem Zug. Meine Mutter, war morgens um viertel 6 schon bei mir, die letzten Sachen wurden eingepackt und los ging es, nach Stuttgart auf den Bahnhof. Wir waren viel zu früh da und vor lauter Aufregung konnte ich auch nicht so richtig essen! "Heute geht es nach Berlin, das große Berlin" freute ich mich. Dadurch dass ich eine Zugverbindung ohne Umsteigen hatte, war es auch nicht so "spannend"! Es konnte eigentlich nichts schief gehen. Meine Mutter brachte mich zum Zug und blieb noch da, bis ich los fuhr. Über Handy meldete ich mich immer wieder bei Ihr, damit Sie sich keine Sorgen machte. Tja, die Fahrt ging durch ganz Deutschland. Mannheim, Fulda, Frankfurt und viele Orte mehr. Ich träumte so mit offenen Augen vor mich hin, als der Schaffner meinte, "nächster Halt Berlin - Zoologischer Garten". Ui, schon da! Schnell die Jacke anziehen, die Tasche umhängen und den Rucksack schnappen und Richtung Ausgang gehen. Übrigens, "Zoologischer Garten" und "Bahnhof Zoo" ist das gleiche. Ja, ich bin am berühmten Bahnhof Zoo ausgestiegen. Aber der sah sehr ordentlich und sauber aus und nicht so, wie man ihn vielleicht noch von irgendwelchen "Schauergeschichten" im Kopf hat. Nach kurzem suchen, sah ich auch Martin, meine Abholung. Er machte einen ziemlichen ruhigen und abgeklärten Eindruck und das war gut so, meine Aufregung legte sich. Wir fuhren dann mit der S-Bahn zu meiner Unterkunft. Martin versorgte mich währenddessen mit Infomaterial. Stadtplan, U-Bahnplan usw. Während der U-Bahnfahrt schaute ich natürlich neugierig aus dem Fenster. "Wow, das ist Berlin!" Von der U-Bahnstation bis zur Unterkunft, mussten wir noch bisschen laufen und ich stellte fest, dass die Strassen gar nicht so groß waren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Im Hostel "Heart of Gold" empfing mich ein nettes Mädel. Als Sie sah, dass ich eine Behinderung hatte, sagte Sie zu Ihrer Kollegin, Sie solle mit mir testen, ob ich mit dem aufschließen des Zimmers klar komme, dass funktionierte über eine Magnetkarte. Die Kollegin, welche auch sehr nett war, probierte das aufschließen mit mir aus und es ging. Sie zeigte mir mein Bett und fragte mich sogar, ob Sie mir beim bett beziehen helfen sollte. Das fand ich sehr aufmerksam und nahm ich dankend an! Nachdem ich Mutter bescheid gesagt habe, dass ich gut angekommen bin, bin ich runter zur Info und habe die netten Mädels gefragt, wo das Brandenburger Tor ist und wo man "Berliner Küche" genießen kann. Sie zeigten mir als im Stadtplan und markierten es und so zog ich los, zum Brandenburger Tor! Die Beschreibung hörte sich nicht weit an, aber das irrte gewaltig! Ich glaube ich war zwei Stunden zu Fuß unterwegs. Zwischen durch kaufte ich noch Postkarten und bin in ein kleines Cafe rein um was Warmes zu trinken weil es übel Kalt war in Berlin. Als ich dann endlich am Brandenburger Tor war, tat der rechte Fuß weh, ja, ich hatte eine Blase! Egal, ich bin dann noch bis ganz hin gelaufen, weil ich auch sehen wollte, warum da Green-Peace-Demonstranten auf dem Boden saßen, habe mir dann ein Taxi geschnappt und habe mich zum Hostel fahren lassen. Als ich da war, habe ich nach meiner Blase geschaut und mich erst mal hingelegt.
Gegen 19:15Uhr ging es dann wieder los. Im Hostel hatte Schichtwechsel stattgefunden und witziger weise war da nun ein Mädel die ursprünglich aus Böblingen (Schwabenland) kam und mit der ich mich dann noch etwas unterhalten habe. Sie gab mir noch einen Wecker, damit ich am nächsten morgen nicht verschlafe, rief mir ein Taxi und dann ging es los, zur Lokalität wo es Berliner Spezialitäten gibt. Leider habe ich mir den Namen vom Lokal nicht gemerkt. Als ich rein kam, waren alle Tische reserviert und ich musste mich auf einen Barhocker setzen. Ne lustige Berlinerin, die da wohl öfters ist und gemerkt hat, dass ich nicht von Berlin bin, meinte halt "das ist in Berlin so!". Ich musste lachen. Aus Versehen bekam ich ne Speisekarte in Englisch, aber das hat mich nicht gestört, ich kann ja Englisch. Ich habe mir dann was mit Fisch, Bratkartoffeln, Grüner und anderer Salat, Bohnen und Zwiebeln bestellt, also so richtig gemischt! Der Teller war sehr groß und randvoll, trotzdem habe ich es geschafft. Getrunken habe ich ein Berliner Pils, welches auch sehr lecker war! Zu mir gesellten sich noch 3 Junge Herren, die mich freundlich grüßten. Nachher wurde aber noch ein Tisch mit Stühlen frei und ich setzte mich um und die Bedienung trug mir mein Essen und Getränk an den Tisch. Nachdem Essen trank ich noch einen Jagertee. Naja, leicht angeheitert war ich danach schon, aber ich bin ja mit Taxi nach Hause nachdem ich gezahlt hatte. Als ich Zuhause war, war im Aufenthaltsraum vom Hostel Hochbetrieb. Sie schauten an einer großen Leinwand fern. Ich bin aber relativ zügig in mein Zimmer, war nun müde und bin, nach einem kurzen Telefonat mit Mutter ins Bett.
Am nächsten Morgen rief Mutter, als Weckdienst, um 7:00uhr auf dem Handy an, war so abgemacht. Ich bin aufgestanden und ins Bad, welches direkt links neben meinem Zimmer war. Das haben die Hostel-Mitarbeiter bewusst so gemacht, damit ich nicht so weit laufen muss! Danach habe ich mich angezogen und meine Sachen zusammengepackt. Da ich nicht alles in den Rucksack rein bekam, bin ich runter und bat den jungen Mann um Hilfe und der schickte dann ein Mädel hoch, die ich bisher nicht kannte, welche aber auch sehr nett war und gleich mein Bett abzog. Der junge Mann half mir, freundlicher Weise, dann beim Frühstuck, meine Sachen an den Tisch tragen. Ich habe in Ruhe und ausreichend gefrühstückt, noch mal meinen Vortrag geübt, mich verabschiedet und für die Gastfreundschaft bedankt und dann ging es, wieder mit dem Taxi, zu Käpt'n Browsers MMC. Achja, die Taxifahrer hatten häufig die Strasse nicht im Kopf wo ich hinwollte und mussten auch im Stadtplan nachschauen.
Bei Käpt'n Browsers MMC wurde ich von allen sehr freundlich begrüßt. Dadurch dass unter den Zuhörern einige Franzosen waren, war eine Dolmetscherin da, welche witzigerweise auch aus dem Schwabenland (Stuttgarter Raum) kam. Den ersten Vortrag hielt ein Herr Dießner zusammen mit seinem Kollegen, welcher Blind war, von der Firma Audiodata, über Blinde und Internet. Es wurde ein neuer Screenreader vorgestellt, welchen ich bisher nicht kannte. Der Vortrag war sehr interessant und ich lernte wieder einiges neues. Als zweites kam meine Wenigkeit. In meinem Vortrag ging es um Probleme die behinderte Menschen mit Standardsoftware haben und wie man diese Probleme lösen kann. Als drittes sprach eine Frau Susanne Lutz von der BIK (barrierefrei Informieren und kommunizieren) Berlin über die Umsetzung der Richtlinien für barrierefreies Webdesign. Von Ihr bekam man auch eine Linkliste mit sehr interessanten Links zum Thema "Barrierefreies Internet". Zwischendurch fand natürlich eine Mittagspause statt in welcher man sich stärken konnte. Nachdem offiziellen Teil, fanden noch Gespräche im Kleinen statt. Unter anderen bot sich dann auch die Gelegenheit mit Christian Hille zu sprechen, welchem ich schon früher mal meine Bewerbungsunterlagen zukommen lies.
Kurz nach 15:00uhr brachte Martin mich wieder auf den Zug. Die Zeit war etwas eng, aber wir schafften es gerade noch. Überraschender Weise waren noch zwei behinderte im Zug. Zwei Mädels, eine Rollstuhlfahrerin und eine Spastikerin. Weil die Sitzplatzreservierung von der Bahn etwas merkwürdig war, setzten wir uns so, dass die beiden Mädels nebeneinander sitzen konnten. Als diese dann in Kassel ausstiegen, setzte ich mich auf meinen richtigen Sitzplatz. In Frankfurt merkte ich dann, dass ich nicht mehr fern der schwäbischen Heimat bin. Woran? Ganz einfach, die zahl der (pseudo-)Behinderten nahm zu! Obwohl der Sitzplatz neben mir auch einen Sitzplatz für Behinderte war, setzte sich ein Mann hin, bei welchem ich vergeblich die Behinderung suchte. Dann stiegen noch zwei Stuttgarter ein, die ihre Koffer da hin stellten, wo eigentlich Rollstühle Platz finden sollten. Da ich nun mit Koffern "zugeparkt" war und die Befürchtung hatte, in Stuttgart nicht rechtszeitig aus dem Zug zu kommen, zog ich mich schnell an, nahm meine Tasche und Rucksack und ging schon während der Fahrt vor zu Tür. Dort stand ich dann noch eine viertel Stunde und musste mich gut festhalten, damit ich nicht umfiel. Als ich dann in Stuttgart war, warteten meine Schwester, ihre Freundin und Mama und ich wurde von Mama stürmisch begrüßt! Sie hatten einen Rollstuhl von der Bahnhofsmission organisiert in den ich mich setzen durfte. Da dieser aber zu wenig Luft hatte, war es nicht einfach für meine Schwester diesen zu schieben. Als wir den Rollstuhl abgegeben hatten, zahlte Mama noch ne warme Wurst, die ich freudig vertilgte und dann ging es nach Hause. Gegen 22:00hr war ich daheim. Meine Schwester und ihre Freundin brachten mein Gepäck noch mit hoch und ein wunderschöner Kurzurlaub in Berlin ging zu Ende.
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