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Mein Lebensweg



1970 kam ich in St. Gallen(in der Schweiz) zur Welt. Bei meiner Geburt erfuhr ich Sauerstoffmangel. Dadurch sind Teile des Gehirns(die für die Steuerung des Körpers, nicht für das Denken) abestorben. Die Folge ist zum Beispiel, daß meine Rechte Hand nicht das macht,was ich will. Ich kann so gut wie gar nichts mit meiner rechten Hand machen. Ich bin gehbehindert und habe eine Gleichgewichtsstörung. Das hat zur Folge, daß ich nicht so lang und schon gar nicht so schnell wie ein nichtbehinderte laufen kann. Für weitere Strecken benötige ich einen Rollstuhl. Wenn ich wo hingehe wo viel Gedränge ist(z. B. Disco, Rockkonzert) nehme ich immer meinen Rollstuhl mit, weil ich sonst ständig umgeworfen werde. Eine Sprachbehinderung habe auch. Wenn ich was schnell sagen will, bekomme ich oft gar nichts raus.

Nach meiner Geburt hätte ich wohl nie das Laufen gelernt, wenn ich mich nicht mit 3.5 Jahren hätte operieren lassen an den Beinen. Die Operation wurde in Tübingen gemacht. Nach dieser Operation bin ich zunächst an einem Rolllator(das ist ein Gehwagen den man vor sich her schiebt) meinen Eltern, zum ersten mal in meinem Leben, entgegen gelaufen. Sie haben geweint vor Freude.... Aber mit dieser Operation war es nicht getan. Ich mußte danach jeden Tag Krankengymnastik machen. Das Ziel war daß ich ohne Gehwagen laufen kann. Ich bin daheim im Flur immer auf-und ab gelaufen. Von Mama zu Papa und wieder zurück. Nach und nach lernte ich das Laufen ohne Gehwagen.

Ich bin dann in den behinderten Kindergarten nach Ohmenhausen. Dort bekam ich weiterhin Krankengymnastik und da Kam noch Beschäftigungstherapie hinzu. Als ich im Schulfähigen Alter war wollten meine Eltern mich in die Grund-und Hauptschule nach Gomaringen tun, aber der Rektor hat zu mir gesagt, Dich nehme ich nicht, Du bist behindert, auf Dich muß man zu viel Rücksicht nehmen!! Daraufhin bin ich in die Körperbehinderte Schule nach Mössingen. Dort bekam ich auch Krankengymnastik und Beschäftigungstherapie. In der Beschäftigungstherapie lernte ich trotz meiner stark behinderten Hand Häkeln. Meine rechte Hand wurde hierfür von einer Schraubzwinge die man am Tisch festmachte vertreten. Ich lernte auch dort wie ich meine Schuh binden kann trotz meiner rechten Hand. Ich lernte ganz generell das Leben mit einer Hand in den Griff zu bekommen. Aber selbstverständlich kann meine seine rechte Hand nicht immer ersetzen. Eine Flasche die fest zu geschraubt ist, bekomme ich manchmal nicht auf. Ich versuche die Flasche zwischen meine Oberschenkel zu klemmen, aber da ja meine Beine auch behindert sind klappt das nicht immer. Einen Topf mit heißem Wasser kann ich gar nicht tragen!! Ich kann auch keine schweren Plastiktüten beim einkaufen tragen. Ich verlier da das Gleichgewicht und fliege mit samt Tüte hin. Oft geht dann das eingekaufte kaputt. Ich kann auch keine Knöpfe am Hemd zu machen. Deshalb trage ich immer Hemden mit Druckknöpfe, das bekomme ich einigermaßen geregelt.

Mein Laufen und mein Sprechen verschlechterten sich in der Pubertät. Mit 16 Jahren konnte ich nur noch 10 Minuten am Stück laufen. Und es wurde immer schlimmer... Ich war kurz davor Rollstuhlfahrer zu werden.... Für immer im Rollstuhl!!! Ich konnte meine Knie nicht mehr durchdrücken. Ich bin 10cm zusammengeschrumpft. Durch einen glücklichen Zufall, erfuhren wir von einem Professor in Nürnberg, der seit 20 Jahren Spezialist für meine Behinderung ist. Als der Professor mich laufen sah, fragte er, was denn meine Freundin dazu sagt!! Ich antwortete kleinlaut, daß ich keine Freundin habe und daß es wahrscheinlich an meiner Behinderung liegt. Er machte mir Mut und meinte: Das bekommen wir wieder hin!!. Ich ließ mich bei Ihm operieren und siehe da, nach der Operation, die übrigens 6.5 Stunden dauerte, konnte ich meine Knie wieder durchdrücken. Es dauerte aber ein Jahr bis ich wieder ohne Gehhilfe laufen konnte. Ich mußte mit 16 Jahren das laufen frisch lernen. Meine Eltern ging das fast zu lang. Sie hatten Angst, daß ich nie wieder ohne Gehilfe laufen könnte. Aber nach einem Jahr intensives Training(wieder einmal Krankengymnastik) war ich Sieger. Ich bin dem Rollstuhl davongelaufen!!!

Markus beim Frühstück mit Schachbrett In der Schule lernte ich Schach und wir gründeten ein Schulschachmannschaft und nahmen an den Württembergeschischen Meisterschaften der Hauptschulen teil. Wir waren 1985 die einzigste behinderten Schule bei dieser Meisterschaft und wurden Würthembergischer Meister der Hauptschulen. 2 Jahre später wurden wir noch mal Vize Meister und ich Spielte am Spitzenbrett!! Ich trat auch während der Schule dem Schachklub Steinlach in Ofterdingen bei. Dort gewann ich ein kleines Kreisjugendturnier mit 10 Teilnehmer!!

1988 machte ich in der Körperbehindertenschule in Mössingen meinen Hauptschulabschluß den ich mit 1,8 im Durchschnitt bestand. Danach mal wieder ins Krankenhaus und ließ mich an meiner rechten Hand operieren, weil Sie immer schlimmer geworden ist. Aber diese Operation war nicht erfolgreich. Meine Hand kann ich jetzt so gut wie gar nicht gebrauchen. Auch Krankengymnastik hat da nichts gebracht.

Nach dieser Operation ging ich in die Kaufmännische Wirschaftsschule in Tübingen/Derendingen und machte dort meine Mittlere Reife mit einem Durchschnitt von 3.0. In Fach EDV hatte ich eine glatte eins, weil ich mich seit meinem 15. Lebensjahr für Computer interessiere. Später noch mehr zu diesem Thema. Ich hatte auch Schreibmaschinenunterricht und lernte das Einhänder-System für Linkshänder. Meine Masch-Lehererin besorgte mir ein extra Buch für Linkshänder!! Ich habe im Abschlußzeugnis im Maschinenschreiben in der 10 Minutenabschrift 1365 Anschläge stehen und das mit einer Hand. Die anderen mußten 1800 Anschläge. Ich durfte sogar im Sportunterricht teilnehmen und mein Sportlehrer gab mir Spezialaufgaben die für meine Behinderung geeignet waren. Auf der Kaufmännische Wirschaftsschule machte ich meine ersten positiven Erfahrungen mit nichtbehinderten. Ich lernte in meiner Klasse ein Mädchen kennen, mit der ich heute noch Samstags in die Disco gehe. Sie ist einer der ganz wenigen Mädchen auf der Welt die mich so akzeptiert wie ich bin und mich mag trotz meiner Behinderung!!! Vor Beendigung der Wirtschaftsschule 1990 bin ich nach Bodelshausen ins Wohnheim gezogen, weil daheim dicke Luft war.

Nach dieser Schule machte ich eine Beamtenausbildung im Regierungspräsidium in Tübingen, die ich nur meinen Eltern zu liebe machte. Sie erzählten mir als Beamter hätte man eine gesicherte Stellung und das wäre wichtig für einen Behinderten. Mir machte die Ausbildung keinen Meter Spaß. Die Pagraphenreiterei hat mir gestunken und die meisten Mitschüler in der Berufsschule waren Rücksichtslos. Weil mir die Ausbildung keinen Spaß gemacht hat, habe ich auch nicht gelernt und habe die Abschlußprüfung erst beim zweitenmal geschafft. Dann wollte das Regierungspräsidium mich nicht mehr nach der Ausbildung und seit dem arbeite ich bei der Firma pro labore als Verwaltungsangestellter. Da ich mein Interesse an der EDV mir bewahrt habe, haben ich nebenher (meistens daheim) die Betriebssysteme Dos,Wndows 3.11,Windows 95 und Windows NT selbst beigebracht. Außerdem habe ich mir das Programmieren in Paradox 4.5 und in Delphi(Delphi ist eine Windows Programmiersprache) auch selbst beigebracht. Markus in Budapest an der Brücke Ich programmiere für pro labore Spezial-Bau-Abrechnungssoftware. Ich habe mir Delphi-Bücher im Wert von fast 1000,-DM von meinem privaten Geld gekauft. Mein größter Traum ist es Programmierer zu werden! Wenn ich programmiere fühle ich mich nichtbehindert!!!

Ein Tages stand ein Sachbearbeiter vom Arbeitsamt im Büro und fragte ob ich den Führerschein machen wollte. Ich sagte ich will schon, ich habe aber kein Geld, weil ich in einem Behinderten Wohnheim lebe, wo ich jeden Monat 1500,- von meinem Gehalt Miete zahlen muß an den Landeswohlfahrtsverband und wenn ich mehr wie 4000,-DM auf dem Konto habe und der Landeswohlfahrtsverband merkt das, dann holen Sie sich den Betrag über 4000,-. Also wenn ich 5000,- DM auf dem Konto habe,dann verschwinden eben kurz mal 1000,-DM!! Ich kann nichts dagegen tun.. Echt Sozial! Darauf tat er kund, daß das Arbeitsamt 2/3 vom Führerschein und vom Auto auch 2/3 und die behindertengerechte Umrüstung ganz zahlt. Das hörte sich zunächst gut an. Er meinte aber, daß ich in eine Fahrschule nach Bad Wildbad soll und ich bräuchte ein MPU(Medizinisches Psychologisches Gutachten im Volksmund Idiotentest!!),weil ich behindert bin. Damit war ich selbstverständlich nicht einverstanden.

Weil in der Zwischenzeit habe ich den Schachverein gewechselt und spiele jetzt im Schachverein Hechingen in der Landesliga!! Und damals war ich schon einmal Vereinsmeister im Schachklub. Dieses Jahr bin ich zum zweitenmal Vereinsmeister geworden! Also auf gut Deutsch: Ein Mensch der sich sämtliche EDV-Kenntnisse selbst aneignet, der im Schulschach Württembergischer Meister geworden ist und 2 maliger Vereinsmeister im Schach, der auf Württembergischen Schnellschachmeisterschaften einmal 33 von 90 und einmal 62 von 180 geworden ist soll zum Idiotentest! Die Begründung für das MPU von dem Arbeitsamtbeamten war obergenial, er meinte, daß hat man bisher so gemacht und deshalb macht man das auch jetzt so! Klasse. Von der Fahrschule in Bad Wildbad wo der Herr Beamte mich hin tun wollte habe ich nur schlechtes gehört und deswegen wollte ich nach Neckargemünd zu Fahrschule Zawatzy. Aber als behinderter hat man nicht mal das Recht die Fahrschule zu wählen!! Nach einer 2jährigen Schlacht gegen das Arbeitsamt und noch andere nette Behörden, bei der meine Gesundheit ein bißchen auf der Strecke blieb, weil ich seit dem Chronisch Magenkrank bin, habe ich gewonnen!!! Ich dufte meinen Führerschein bei der Fahrschule Zawatzky machen und mußte kein MPU machen! Nach einem harten 7.5Wöchigen intensiven Training wo ich pro Tag 4 Fahrstunden hatte und so manche Träne geflossen ist aus Angst, das Ziel um das ich so hart kämpfen mußte Behinderungsbedingt doch nicht erreichbar ist, habe ich erfolgreich die praktische Fahrprüfung abgelegt!! Das war ein weiterer sehr wichtiger Schritt in die Selbständigkeit!!!

Trotz dass ich kein Pflegeld bekomme für ein Zivi, habe ich eine eigene Wohnung, gehe einkaufen und bin ziemlich selbstständig. Putzen, Getränke einkaufen und Wäsche waschen macht meine Mutter noch.




Man kann alles erreichen wenn man will. Markus in Siegerpose!


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