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Urlaubsreise Köln

Tja, nun war es so weit. Ich habe mir fest vorgenommen dieses Jahr fahre ich alleine in den Urlaub. Da ich meine Lieblingskumpelline Ela und Lieblingskameradin Sanni sehen wollte und beide in der nähe von Köln wohnen, habe ich mir Köln als Urlaubsziel ausgesucht. Meine Mutter war von dieser Idee gar nicht begeistert. Ihr behinderter Bub ganz alleine in Köln!

Aber mich konnte nichts aufhalten. Ich wollte es wissen!

Ich habe mich entschieden mit dem Zug zu fahren, weil der Kölner Stadtverkehr vielleicht doch etwas heftig ist. War nur die Frage wie ich das mit dem umsteigen und dem Gepäck mache. Ich habe mir im Internet bei www.bahn.de die Zeiten ausgedruckt und bin zum Bahnhof Reutlingen. Dort habe ich zunächst die Zugkarten gekauft und bin damit zum Behindertenbeauftragten den es bei jedem Bahnhof gibt.

Ihm habe ich meine Zugkarten gezeigt und ihm klar gemacht, dass ich beim umsteigen Hilfe brauche. Daraufhin hat er sich meine Zugverbindungen kopiert und den entsprechenden Bahnhöfen das durchgegeben und gemeint, dass immer jemand von der Bahn da sein wird der mir beim umsteigen hilft. So viel zur Theorie – nachher die Praxis!

So, nun brauchte ich eine Unterkunft in Köln. Hierzu bin ich auf die Homepage www.koeln.de . Da ich vor dem Urlaub noch eine hohe Autoreparatur hatte und somit das Geld knapp war, wollte ich kein Hotel nehmen, sondern eine Jugendherberge.

Ich schickte mehrere E-Mails los, in denen ich beschrieb, dass ich behindert bin und eine Unterkunft in Bahnhofsnähe suche. Und ich wollte ein Einzelzimmer.

Nach einigem hin und her habe ich dann unter www.hostel-cologne.de eine Unterkunft gefunden. Nun konnte es los gehen!

Am Tag vor Reisebeginn war ich schwer aufgeregt und konnte nicht gut schlafen.

Dann ging es Samstags morgens los. Meine Mutter brachte mich zum Zug. Ich glaube Sie war noch aufgeregter als ich! Als wir auf dem Bahnhof standen meinte Sie müsste unbedingt jemand ansprechen der mir in Stuttgart beim aussteigen hilft.

Ich war eigentlich davon überzeugt, dass da jemand von der Deutschen Bundesbahn auf mich wartet. Schließlich hatte ich doch das so abgeklärt. Aber Sie sprach doch einen jungen Mann an, der auch bereit war mir zu helfen. Im Zug stellte sich heraus dass er auch Programmierer war! In Stuttgart wartete niemand von der Deutschen Bahn auf mich und der nette Programmierer musste auch zufällig in den selben Zug wie ich! Da war ich dann doch froh, dass Mama den jungen Mann angesprochen hat!

Ich bin aber in Stuttgart gleich zu einem hin von der Bahn und habe meinem Ärger Luft gemacht und energisch gesagt, dass der Umstieg in Frankfurt aber funktionieren müsse! Der nette Junge Mann ist nämlich nur bis Mannheim gefahren.

In Frankfurt wurde ich dann schon irgendwie erwartet, aber als ältere Dame!

Nun gut, ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt auch schon um Jahre gealtert!

Der Frankfurter Bahnbeamte wollte unbedingt dass ich auf dem harten Gepäckwagen platz nehme und es kostete einige Überredungskunst ihn davon zu überzeugen, dass ich lieber laufe. Als ich dann in Frankfurt im Zug saß bin ich ruhiger geworden. Ich wusste jetzt musste ich bis Siegen nicht mehr umsteigen und da wartete meine zuverlässige Lieblingskumpelline Ela auf mich!

Und so war es auch! Ein nettes, liebes, hübsches Siegener Mädchen wartete da!

Ich rief meine Mutter über Handy an, dass ich gut angekommen bin und somit war das erste Abenteuer zu ende.

Ela und ich gingen in den MC Donalds beim Bahnhof. Ich habe da erst mal ordentlich gefuttert und wir haben auf meine „kleine“ Lieblingskameradin Sanni gewartet!

Aber so klein ist Sie gar nicht! Sie ist fast größer wie ich! Da stand Sie dann da in voller Lebensgröße! Beide Mädchen sahen irgendwie ganz anders aus wie auf den Fotos. So hatte ich erst mal genug zu schauen! Es ist eben doch was ganz anderes wenn man Menschen persönlich gegenüber steht!

Tja, die beiden Mädels hatten viel vor mit mir! Wir waren in der Siegener „Einkaufsmetropole“, in einem Cafe, bei Ela kurz zu Hause, bei meinem Hotel kurz wo ich die kommende Nacht verbrachte, in einem Park und abends noch in einer Disco! Es war so schön, mit meiner Lieblingskumpelline und Lieblingskameradin zusammen zu sein!! Nur schade dass Sie so weit weg wohnen. Die sollten in Reutlingen wohnen! Das wäre echt klasse! Sind zwei ganz liebe Menschen.

Normaler weise hätte noch ein Mitglied von www.startrampe.net zu uns stoßen sollen, der mich dann nach Köln mitnimmt, aber der hat kurzfristig abgesagt!

So haben beide Mädels beschlossen, dass Sie mich Persönlich am nächsten Tag nach Köln bringen. Die Unterkunft haben wir nicht gefunden, da habe ich gesagt, Sie sollen mich zum Bahnhof bringen und von da an nehme ich ein Taxi. Der Abschied ist mir schwer gefallen, deshalb habe ich die Verabschiedung etwas kurz gehalten...

War viel zu kurz die Zeit mit den beiden zusammen! Und Sie sind so lieb!

Nun bin ich mit dem Taxi zu meiner Unterkunft!

Na, war eben doch was anderes wie Hotel! Die ersten paar Stunden wusste ich auch nicht so richtig. Mein Zimmer war im 4. Stock ohne Aufzug, es war kein Kleiderschrank im Zimmer und die Dusche war so eng, dass keine Chance da war zum Duschen. Also behindertengerecht war das alles nicht. Aber ich habe gedacht, jetzt schauen wir mal!

Ziemlich schnell stellte ich fest, dass die Menschen die da arbeiteten sehr nett und hilfsbereit sind, es gab einen PC an dem man ins Internet gehen konnte und man traf dort sämtliche Nationalitäten und konnte im Aufenthaltsraum den Gesprächen lauschen die meistens auf englisch geführt wurden! Was meinen Englischkenntnissen sehr gut tat!

Als erstes habe ich mir eine Taxinummer geben lassen, die ich in meinem Handy speicherte. Wenn ich mich verlaufen sollte oder meine Beine nicht mehr konnten, hatte ich so die Sicherheit, dass ich immer ein Taxi rufen konnte und mich nach Hause bringen lassen konnte! In einer Kneipe paar Strassen weiter, bekam ich dann auch einen Stadtplan geschenkt! „Cool“ dachte ich, die Kölner sind richtig nett!

Am Tag der Ankunft, habe ich zuerst mal die umliegende Gegend erkundet.

Habe den Dom von außen gesehen und war in einer Zweigstelle von meiner Unterkunft, wo man kostenlos surfen konnte und es mein geliebtes Guinness gab!

Nach dem zweiten Guinness beschloss ich dann den Heimweg zu meiner Unterkunft nicht zu Fuß, sondern mit dem Taxi zu machen. Ich war dann auch sehr müde und bin früh ins Bett!

Am nächsten Tag, in meiner Unterkunft gefrühstückt und dann ging es los.

Zu erst mal bin ich zum Dom. Bin rein, habe ihn mir von innen angeschaut und habe mich danach auf eine Stufe gesetzt, den Dom betrachtet, die vorbeigehenden Menschen beobachtet und zum ersten mal so richtig kapiert, dass ich tatsächlich alleine in Köln bin! JUHU!!

Per SMS (Handy sei dank!) hatte ich immer Kontakt zu Sanni, Ela, Eckhard, Corinna, Frank und zu meiner Schwester. Natürlich musste ich mich auch täglich bei meiner besorgten Mutter melden!

Nun bin ich zu Touristeninformation die gegenüber vom Dom war. Da habe ich erfahren, dass gegenüber eine Stadtrundfahrt zu bestimmten Zeiten fährt.

Das war eine gute Idee. Ich bin ins Cafe gegenüber, von dem man aus den Dom toll sehen konnte, habe einen Obstsalat gefuttert, den Dom angeschaut, die vorbeiströmenden Menschen beobachtet und auf die Stadtrundfahrt gewartet.

Dieses Cafe wurde Dreh und Angelpunkt! Einmal pro Tag war ich da immer!

Die Stadtrundfahrt wurde zweisprachig geführt. deutsch und englisch.

Es kam mir eh oft so vor, dass die erste Fremdsprache in Köln deutsch ist!

Englisch versteht jeder!

Werde jetzt nicht im Detail auf die Stadtrundfahrt eingehen. Man hat eben sehr viel von der Geschichte von Köln erfahren und viele interessante Sehenswürdigkeiten und Museen gesehen.

Am Abend war ich amerikanisch Essen. Steak-Time! Dort bin ich auch gleich mit Amerikanern ins Gespräch gekommen! Cool, so einfach bekommt man in Köln Kontakt!

Am nächsten Tag bin ich so rum geschlendert am Rheinufer und habe eine Rheinschifffahrt gemacht! Aufgefallen ist mir, dass man sehr viele Rollstuhlfahrer gesehen hat. Die gehören in Köln wohl zum Stadtbild! Das war für mich ungewohnt, weil wenn man durch Reutlingen schlendert, sind man wenig Behinderte und wenn, dann gleich in großen Gruppen! Die Rheinschifffahrt war sehr schön und der Fahrtwind war sehr angenehm bei dem heißen Wetter! Ich hatte nämlich ständig schönes Wetter! Tja, wenn Engel Reisen... *lach*

Am Abend gab es Irisches Essen. Bacon and Toast! Ja, selbstverständlich durfte das Guinness nicht fehlen!

Am nächsten Tag hatte ich Probleme mit meinen Beinen. Ich bin durch die Einkaufspassage geschlendert und die Beine fingen an weh zu tun!

Man kann eben nicht einfach so tun, als ob man nicht gehbehindert ist, wenn es eben doch so ist! Habe mich dann nach Hause geschleppt! Den ganzen Nachmittag verbrachte ich dann im Bett und hoffte dass sich meine Beine wieder erholen. Das taten Sie dann auch! Abends bin ich dann Indisch essen und wollte eine Disco mit netten Kölnerinnen aufgabeln. Naja, ne richtige Disco war das dann nicht wo ich war!

Das war eine Kneipe wo laut Musik lief und zwei Tische fehlten. Und da wo die zwei Tische fehlten wurde getanzt! Das war ein Spass!

Also tanzen ging da schon wieder mit den Beinen *lach*!

Am nächsten Tag war ich viel in meiner Unterkunft, habe noch mal Postkarten geschrieben, war im Cafe, im Internetcafe und habe einen netten Amerikaner in meiner Unterkunft kennen gelernt. Er heißt Evan! Achja, und einen Spass habe ich mir erlaubt. Bei der Unterkunft arbeitete ein Mädchen, die sehr nett und hübsch aussah. Ihr habe ich eine Postkarte geschrieben! Sie hat nur lieb gegrinst und gemeint, die hängt Sie übers Bett! Achja, und eine andere Nacht, habe ich mit einem anderen Mädchen die da arbeitet bis nachts um 3 mich angeregt unterhalten!!

Also, die Kölnerinnen sind viel netter wie die Mädchen im Schwabenland!!

Tja, abends gab es Thailändische Kost!

Am Tag vor meiner Abfahrt, war ich dann beim Bahnhof um das nächste Abenteuer(Heimfahrt) zu organisieren. Ja, die nette Dame am Schalter füllte viele Zettel aus und meinte ich solle pünktlich um 14:00uhr an der Info sein, dann bringt mich jemand zum Zug. Hörte sich gut an! Dann war ich noch in meinem Cafe, ihr wisst ja, gegenüber vom Dom. War noch ne Runde surfen, habe soweit wie möglich zusammengepackt und noch ein bisschen gefaulenzt!

Abends war ich noch mit meinem amerikanischen Freund Evan unterwegs!

Diesmal gab es Argentinische Kost!

Naja, der Fisch hatte bisschen viel Gräten, hätte lieber ein argentinisches Steak nehmen sollen, so wie Evan!

Danach wollten wir noch in einen Club, den uns das nette Mädchen von der Unterkunft empfohlen hat! Aber der hatte zu. Dann sind wir in eine Kneipe wo wir eine nette, aber angetrunkene Kölnerin kennen gelernt haben!! Ich glaube Evan hat es nicht so gefallen. Ich fand es ganz witzig! Aber dann sind wir halt nach Hause, weil wir in der Gegend sonst nichts gefunden haben. Natürlich Taxi!

In der Unterkunft haben wir dann noch ein Bierchen gekippt und dann ab in die heja!

Am nächsten Tag bin ich früh aufgestanden, damit die von der Unterkunft mir vollends beim packen helfen konnten. Dann gefrühstückt, noch ein bisschen auf dem Bett gelegen, surfen im Internet, Schlüssel abgegeben, Cola getrunken, von Evan verabschiedet, Taxi gerufen und los ging es! Der Taxifahrer war der unfreundlichste Kölner der mir in der Woche begegnet ist! Musste selbst schauen wie ich meinen Koffer zum Bahnhof rein bekam. Ging aber, weil der Koffer Rollen hatte!

Na, ich war ne halbe Stunde zu früh da, aber auch zum verabredeten Zeitpunkt erschien kein Helfer von der Bahn. Ich machte mich bemerkbar, dass ich auf einen Helfer warte und die Dame, es war natürlich wieder eine andere wie am Tag davor meinte "Jaja, sie wisse bescheid"! Ich fragte mich aber eher ob der Helfer bescheid wusste! Noch 20 Minuten bis zur Abfahrt und noch keiner da! Und meine Blase drückte noch obendrein! Noch 15 Minuten bis zur Abfahrt ... noch immer keiner da!

Noch 10 Minuten bis zur Abfahrt noch immer keiner da!! Dann machte ich noch mal energisch Druck und sagte, dass es ja so nicht angehen könne!

Dann wurde noch mal telefoniert und plötzlich kam einer und im Eiltempo wurde ich zu zweit zum Zug gebracht! Weil es natürlich dann um jede Minute ging, konnten Sie mich nicht mehr auf den Platz setzen, wo ich reserviert hatte!

Der nette Schaffner meinte aber, dass das schon in Ordnung sei!

Meine unruhige Mutter lies es sich natürlich nicht nehmen mich von Stuttgart abzuholen! Aber nach der ganzen Aufregung, war ich ihr da ganz dankbar, dass mir ein weiteres Umsteigeabenteuer erspart blieb!

So endete dann um 18:00uhr in Stuttgart eine schöne, erlebnisreiche viel zu kurze Woche!

Ob ich das ganze noch mal machen würde? Ja, klar!!

Vielleicht lagen die Stärken dieser Woche darin, dass nicht alles wie geplant verlief und nicht alles behindertengerecht war! So konnte ich feststellen, dass ich auch mit unvorhergesehenen Situationen zu recht komme!

In einem behindertengerechten Hotel, wäre sicher einiges einfacher gewesen, dafür wäre ich wahrscheinlich ständig alleine auf dem Zimmer gehockt und hätte nicht so viel Leute kennen gelernt! Muss jeder selbst entscheiden was ihm wichtiger ist! Mir hat es in dem Hostel trotz allem sehr gut gefallen.

Mit Sicherheit, weiß ich was beim nächsten Urlaub anders zu machen ist, aber ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich mal wieder los ziehe die Welt zu entdecken!

Ich kann es jedem anderen Behinderten empfehlen, einfach mal aus der gewohnten Umgebung auszubrechen, um zu erkunden, wie schön die Welt ist!

Viele Grüße



Markus


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